Die aktuellen Energieeffizienzziele in ihrer Erreichbarkeit standen kürzlich im Fokus einer Gemeinschaftsveranstaltung des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT) und der EnBW Energie Baden-Württemberg. Beleuchtet wurde das Thema aus politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Sicht. Rund 450 Teilnehmer aus den Bereichen Energieberatung, Handwerk und Industrie waren nach Stuttgart gekommen, um hochkarätige Referenten zu hören und die Gelegenheit zur Nachfrage und Diskussion zu nutzen.
In seiner Begrüßung ging BWHT-Hauptgeschäftsführer Hartmut Richter (Bild) auf die großen Marktchancen ein, die Energiepolitik und Klimaziele bieten. Allerdings sei derzeit festzustellen, dass andere Player zunehmend in traditionell handwerkliche Märkte eindrängen. Konkret gebe es gegenwärtig eine sehr kritische Diskussion zwischen den Handwerksorganisationen und der EnBW. Hier müssten die Rollen geklärt und in Kooperation der gemeinsame Markt bearbeitet werden. Immer mehr gefragt seien mit offener Kommunikation verbundene Gemeinschaftskonzepte. Richter griff damit ein Thema auf, das Gerhard Kleih später in seinem Vortrag zu den Marktpartnerschaften mit dem Handwerk als Teil der neuen Rolle der Energievertriebe aus Sicht der EnBW beleuchtete.
Umweltministerin Tanja Gönner betonte, dass es sich angesichts des hohen Energieverbrauchs in Bestandsgebäuden lohne, mit Effizienzkonzepten voranzugehen. Vor allem im Wärmebereich seien Einsparpotenziale besonders groß und das Handwerk ein wichtiges "Werkzeug", um Informationen in Haushalte zu tragen und energetische Modernisierungen durchzuführen.
Dr. Almut Kirchner von der Prognos AG richtete ihren wissenschaftlichen Blick ins Jahr 2050 und zeigte anhand unterschiedlicher Szenerien auf, wohin die Reise gehen muss. Dabei wurden die "Durchsanierung" des Gebäudebestands und die Reduktion des Wärmebedarfs als wesentliche Zukunftsaufgaben definiert. Ins selbe Horn blies der als "Vater der Energieeinsparverordnung" angekündigte Peter Rathert vom Bundesbauministerium, der auch die kritische Frage der Finanzierung und die Notwendigkeit von Fördermitteln ansprach. Seine persönliche Prognose: der Restbedarf an Heizen wird bald nur noch mit Strom aus erneuerbaren Energien erfolgen.
Professor Jan Cremers von der Hochschule für Technik Stuttgart konnte mit seinem preisgekrönten Stuttgarter Haus begeistern. Beim "Solaren Zehnkampf" in Madrid waren im Juni 2010 zwanzig ausgewählte Hochschulteams aus der ganzen Welt angetreten, um ausschließlich mit solarer Energie betriebene Wohnhäuser zu bauen. Mit ihrem richtungsweisenden Modellhaus konnte das Team aus Stuttgart einen ausgezeichneten dritten Platz in der Gesamtwertung und zwei weitere Preise einheimsen.
Abschließende Worte kamen von Hans-Peter Repnik, dem Vorsitzenden des Rats für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Auch er mahnte eine Effizienzrevolution an, die bisher noch nicht gelungen sei. Die Gesellschaft stehe an der Schwelle zu etwas Neuem und es bedürfe einer Gesamtperspektive, eines großen Bildes, um die Bevölkerung mitzunehmen. Besonders die Städte und Gemeinden könnten Orte der Nachhaltigkeit werden und die Menschen für dieses Thema gewinnen.
Die Fachvorträge zum Download:
Energieeffizienz - Handlungsansätze auf Landes- und Bundesebene
Tanja Gönner, Umweltministerin des Landes Baden-Württemberg
Mit welchen Maßnahmen die Energieeffizienzziele am Besten erreicht werden - Erkenntnisse der wichtigsten Studien
Dr. Almut Kirchner, Prognos AG
Erfolgreiche Marktpartnerschaften mit dem Handwerk: Teil der neuen Rolle der Energievertriebe
Gerhard Kleih, EnBW Vertrieb GmbH
Was die Novelle der EU-Gebäuderichtlinie an der EnEV verändern wird
Peter Rathert, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Die richtungsweisenden Innovationen des in Madrid preisgekrönten "Stuttgarter Hauses"
Prof. Dr.-Ing. Jan Cremers, Hochschule für Technik, Stuttgart




