Podiumsdiskussion: Vorwahlkampf beim Handwerk

Die BWHT-Mitgliederversammlung am 8. Juli in Stuttgart war Gastgeber einer Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten: Politiker von CDU, SPD, FDP und den Grünen sprachen vor dem Hintergrund der kommenden Bundestagswahl über die Situation des Handwerks.

Talkshowambiente bei der Mitgliederversammlung des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT): Im Rahmen einer leger gehaltenen Podiumsdiskussion standen vier Bundestagsabgeordnete der führenden Parteien zu handwerkspolitischen Themen Rede und Antwort. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage, was das Handwerk in seiner besonderen Rolle als arbeitsintensive Dienstleistung mit stark regionaler Ausrichtung von den einzelnen Parteien zu erwarten hat. Antworten entstanden per Gedankenexperiment: "Was würden Sie tun, wenn sie nicht Bundestagsabgeordneter sondern Handwerkspräsident wären?", so eine vom Moderator und Wirtschaftsjournalisten Dietmar Krepper reihum gestellte Frage.

Birgit Homburger von der FDP fiel der Rollentausch nicht schwer, ist ihr Vater doch Vizepräsident der Handwerkskammer Konstanz. Ihr Augenmerk würde sie auf faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen richten, wobei ihr eine Steuerstrukturreform und Bürokratieabbau besonders wichtig wären.

Thomas Strobl, Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, hält die steuerliche Anpassung von Handwerksleistungen an haushaltsähnliche Dienstleistungen für ein erreichbares Ziel. Noch wichtiger sei aber, für hinreichende Liquidität bei kleinen und mittleren Unternehmen zu sorgen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Christian Lange, hatte aufgrund der von ihm mitinitiierten und beim Handwerk unbeliebten Novellierung der Handwerksordnung keinen leichten Stand. In getauschter Rolle würde er nicht gemeinsam mit Industrie und Arbeitgeberverband auftreten und sich für die volle Absetzbarkeit von Handwerksleistungen einsetzen.

Und wäre Gerhard Schick nicht finanzpolitischer Sprecher der Grünen sondern Landeshandwerkspräsident, so läge ihm die Gebäudesanierung besonders am Herzen: ein grünes Thema, von dem auch die Umsätze im Handwerk profitieren.


Nachdem zu vielen Anliegen des Handwerks Einigkeit herrschte – beispielsweise zur Stärkung der Binnenwirtschaft und finanziellen Absicherung der Betriebe –, wollte sich hinsichtlich der vom Handwerk ebenfalls gewünschten Steuererleichterungen kaum ein gemeinsamer Nenner finden: Während Schick solche nicht ohne Begründung für unrealistisch hält, egal welche Parteien künftig auch regieren mögen, stellte Homburger Steuersenkungen als einen unverrückbaren Fixpunkt für zukünftige Koalitionsverhandlungen dar. Grundsätzlich verlief die Diskussion aber friedlich – und aus Sicht des Handwerks durchaus aufschlussreich. Weshalb der echte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle die Runde mit der Feststellung beschloss, "ein großes vitales Interesse am Handwerk" bei allen Parteien wahrgenommen zu haben.

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