Auftaktveranstaltung "Brücke ins Handwerk"

Die Landesregierung und der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) haben das gemeinsame Projekt "Brücke ins Handwerk" gestartet. Ziel der in Stuttgart vorgestellten Initiative ist es, leistungsschwächeren Jugendlichen den Weg zu einer handwerklichen Ausbildung zu ebnen.

© Staatsministerium

Brücken baut man nur dort, wo es eine Kluft gibt. Fraglos besteht eine solche zwischen nicht-ausbildungsreifen Jugendlichen und dem Berufseinstieg ins Handwerk. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und sozialpolitischer Verantwortung werden Landesregierung und Handwerk nun gemeinsam Brücken schlagen: "Wir wollen, dass mehr junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk beginnen und erfolgreich abschließen. Mit vereinten Kräften werden wir dafür Sorge tragen, dass die Jugendlichen, die noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben, das erforderliche Rüstzeug erhalten, damit sie direkt eine Ausbildung aufnehmen können", sagten Ministerpräsident Stefan Mappus, Kultusministerin Prof. Dr. Marion Schick, Handwerkspräsident Joachim Möhrle und Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am 24. Februar 2011 in Stuttgart. Rund 120 Gäste aus Handwerk, Politik und Verwaltung waren anlässlich der Auftaktveranstaltung des Projekts "Brücke ins Handwerk" ins Forum der Handwerkskammer Region Stuttgart gekommen.

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Dass sich das Handwerk aktiv um die Integration leistungsschwächerer Jugendlicher bemühen wird bedeutet eine deutliche Öffnung. Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle sprach in seiner Begrüßungsrede gar von "einer Trendwende oder Zäsur im Umgang mit jungen Menschen." Doch das Handwerk wolle nicht nur, wie die aktuelle Imagekampagne wissen lässt, die "Wirtschaftsmacht von nebenan" sein, sondern verstehe sich, so der regionale Slogan in Baden-Württemberg, schon immer auch als "Das Unternehmen Mensch". Als soziales Gebilde sei man für alle Bewerber offen: auch wenn dringend leistungsstarke Schulabgänger benötigt würden, bekämen auch leistungsbereite, nicht-ausbildungsreife ihre Chance im Handwerk. Allerdings stellte der Landeshandwerkspräsident klar, dass eine möglichst hohe Zahl an ausbildungsreifen Jugendlichen dennoch das primäre Ziel der Landesregierung bleiben müsse.

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Ministerpräsident Stefan Mappus begrüßte diese Öffnung des Handwerks und machte klar, dass er sie in Anbetracht einer schwindenden "natürlichen Nachfolge im Handwerk" auch für dringend notwendig hält. Er selbst sei dafür ein Beispiel: Als Sohn eines Handwerksmeisters sei er nicht in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sondern habe sich für eine politische Karriere entschieden. Solchermaßen entstandene Lücken wolle er mit allen verfügbaren Mitteln aus den eigenen Reihen schließen und sich erst in zweiter Linie nach Ersatz aus dem Ausland umsehen. Mappus verwies in diesem Zusammenhang auf die Maxime "Aufstieg durch Bildung" und berichtete von seiner Erfahrung, nach der Hauptschüler oft die treuesten Mitarbeiter eines Betriebs seien.

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Bildungsexperte Hubert Esser befand, dass der in Baden-Württemberg eingeschlagene Weg zur Philosophie des ZDH passe und organisatorische wie sozialpolitische Verantwortung ausdrücke. Dieser zeige, dass das Handwerk um die Erziehungskraft von Ausbildung wisse und so demografische Engpässe sowie den Wettbewerb um Auszubildende angehen könne. Dabei gelte es, das hinsichtlich seiner Transparenz und Effizienz in die Kritik geratene Übergangssystem durch ein aktives Übergangsmanagement mit ganzheitlicher Betreuung, Übergangsbegleitern und einem Schulfach zur Berufsorientierung zu erweitern. Allesamt auch motivatorische Maßnahmen, die leistungsschwächeren Jugendlichen zeigen sollen, dass sie im Handwerk willkommen sind und dort eine Perspektive haben.

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In der anschließenden von Gabriele Renz vom Südkurier moderierten Podiumsdiskussion gesellte sich Kultusministerin Marion Schick zu den drei Rednern. In ihrem Eingangsstatement griff sie das zuvor mehrfach erwähnte Bild des Paradigmenwechsels auf: "Das bahnbrechende Türöffnen ist für mich die Sternstunde des heutigen Tages." Danach ging es um konkrete Maßnahmen, zu deren Umsetzung der Ministerpräsident auch die zukünftige Erhöhung des Bildungsetats in den Raum stellte. Für die "Brücke ins Handwerk" sollen bereits bestehende Angebote genutzt und gezielt eingesetzt werden. Zur Sprache kamen aber auch ehrenamtliches Engagement sowie kurzfristige Maßnahmen wie Sommerkollegs, in denen leistungsschwache Schulabgänger von April bis September motiviert und auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet werden sollen. Zu einer definitiven Zusage für die aus Sicht des Handwerks unerlässliche zweite Kompetenzfeststellung nach Klasse neun ließen sich allerdings weder Ministerpräsident noch Kultusministerin überreden - trotz einer grundsätzlich positiven Einstellung zur Sache.

Impressionen vom Ausklang
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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