Bildungssymposium 2017

Das Strategieprojekt Handwerk 2025 hat gezeigt, dass kompetente Beschäftigte ein zentraler Wettbewerbsfaktor für erfolgreiche Handwerksbetriebe sind. Und die gewinnt ein Betrieb in aller Regel, indem er sie selbst ausbildet. Auf diesem Hintergrund wagte ein bildungspolitisches Symposium des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) unter dem Titel „Handwerk 2025 – Auf die Ausbildung kommt es an!“ einen Blick in die Zukunft der dualen Ausbildung im Land.

Nimmt man die Herausforderungen der Digitalisierung ernst, liegt auf der Hand, dass die duale Ausbildung besser schon heute als erst morgen auf die Arbeitswelt von übermorgen vorbereiten sollte. Obwohl bereits einige Weichen gestellt sind, sieht Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold Verbesserungsbedarf: "Für die industrielle Ausbildung gibt es bereits 16 Lernfabriken 4.0, für das Handwerk geht mit der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen gerade mal die erste an den Start."

Auch bei der Ausstattung von Berufsschulen und dem mit 5,6 Prozent deutlich zu hohen Unterrichtsausfall sieht Reichhold Defizite – ganz zu schweigen von dem Umstand, dass immer noch zu viele Schüler die allgemeinbildenden Schulen nicht ausbildungsreif verlassen. Das neue Schulfach "Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung" sei ein Schritt in die richtige Richtung, müsse aber weiter mit Leben gefüllt werden, so Reichhold. Dabei wünsche sich das Handwerk, dass die guten Anschlussperspektiven an eine duale Ausbildung bereits während der schulischen Berufsorientierung herausgestellt werden und auch das Lehrpersonal eine entsprechende Qualifizierung erfahre.

Exportschlager duale Ausbildung

Alles Punkte, die Susanne Eisenmann nicht neu waren – zumindest war die Landeskultusministerin um Entgegnungen nicht verlegen. Die deutsche duale Ausbildung sei zwar international angesehen und ein Exportschlager, man müsse jedoch darauf achten, dass der Prophet im eigenen Lande auch noch etwas gelte, so Eisenmann. Als Vorsitzende der Kultusministerkonferenz habe sie die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung zwar zum Schwerpunktthema gemacht, in der Praxis gebe es da aber durchaus andere Meinungen: "Rektorinnen und Rektoren von Gymnasien sind oft noch der Ansicht, ausschließlich für die Hochschule auszubilden." Was den Trend zur Akademisierung stärke, gleichzeitig aber unnötig viele Studienabbrecher produziere, die besser gleich eine Ausbildung aufgenommen hätten.

Viele Maßnahmen und Ansätze

Offene Lehrerstellen adäquat zu besetzen sei in der Tat zu einer Herausforderung geworden, betonte Eisenmann und wies auf die vielen, teilweise neu geschaffenen Angebote zur Berufsorientierung hin: von Ausbildungsbotschaftern über Bildungspartnerschaften bis hin zum verpflichtenden Tag der beruflichen Orientierung. Ferner sei es ein Anliegen der Landesregierung, die Lernfabriken 4.0 in die Fläche zu tragen, Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen und nicht zuletzt die Ausbildungsreife von Schulabgängern zu verbessern. Wobei sie Letzteres aber als ein Problem sieht, das über die Schule allein hinausgeht: "Hier dürfen wir auch die Eltern nicht aus der Pflicht entlassen", so die Kultusministerin.

Ausbildung sinnvoll digitalisieren

Ganz auf der Digitalisierungsschiene unterwegs war Professor Friedrich H. Esser vom Bundesinstitut für Berufsbildung: Er stellte vor allem die Chancen und Möglichkeiten heraus, die die Digitalisierung für Schule und Ausbildung bieten. Begeistert berichtete er von Tablet-Schulen mit neuen Unterrichtsformen, in denen die Lehrer eher die Rolle von Lernregisseuren innehaben. Allerdings müsse dabei die Technik stets der Pädagogik folgen und das Lehrpersonal für seine neue Rolle qualifiziert werden. Außerdem vermisse er derzeit noch eine systematische Personalentwicklungsstrategie bei Ausbildern und Prüfern.

#einfachmachen


Die abschließende Podiumsdiskussion, in der die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf den Kreis erweiterte, kam noch einmal auf das Thema Ausbildungsreife zurück. Konsens war, dass es sich hier um eine gemeinschaftliche Aufgabe handle, bei der es vor allem darum gehe, das Wollen der Auszubildenden zu stärken. Dazu gelte es, Ausbildungsinhalte transparent zu machen, Karrierechancen aufzuzeigen und Motivation zu fördern – wobei Letzteres gerade bei der heutigen Generation sehr gut über die Digitalisierung unterstützt werden könne. Entscheidend sei aber auch, dass all die angesprochenen Dinge gemäß dem Hashtag der Nachwuchswerbekampagne des deutschen Handwerks "#einfachmachen" in Angriff genommen und nicht nur beredet werden.

Impressionen vom Bildungssymposium 2017