Landespressekonferenz  04.09.2017

Das Handwerk braucht starke Berufsschulen

Die Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg sind auf starke Berufsschulen als Partner in der dualen Ausbildung angewiesen. "Auf die Schulen ist aber nicht immer Verlass", bedauerte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold anlässlich der heutigen Landespressekonferenz zur Situation der beruflichen Schulen. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) geht davon aus, dass das Unterrichtsdefizit an Berufsschulen in einzelnen Regionen und Berufen bei weit über zehn Prozent liegt.


Angesichts der erneut gestiegenen Anzahl neuer Lehrverträge und der zukünftig wachsenden Schülerzahlen würden sich die zögerlichen Lehrereinstellungen der Vergangenheit nun rächen. "Darunter leidet die Ausbildungsqualität", ermahnte Reichhold die Landesregierung. Sorgen bereiten dem Handwerk auch die Herausforderungen durch die Integration von Geflüchteten in Ausbildung. Die Schulen seien mitverantwortlich dafür, dass die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird. Nicht nur hierfür müssten die nötigen Ressourcen bereitgestellt werden.

Das Handwerk begrüße zwar das vor der Sommerpause vorgestellte Maßnahmenpaket zur Lehrergewinnung als Sofortmaßnahme, langfristig brauche es aber eine nachhaltige Strategie zur Lehrergewinnung. Hierzu zähle auch, dass das Lehramtsstudium an den Hochschulen einen höheren Stellenwert erhalten muss. Aussagen, laut denen die Berufsschulen aufgrund der Konkurrenz zur freien Wirtschaft weniger Seiteneinsteiger gewinnen würden, lässt Reichhold nicht gelten: "Wenn sich der Bewerbermarkt verändert, muss die Schulverwaltung als Arbeitgeber eben ihr Angebot verbessern".

Fehlende Fachlehrkräfte dürfen aus Sicht des Handwerks nicht den Ausschlag dafür geben, eine Berufsschulklasse zu schließen. Sofern eine Klasse über die nötige Anzahl an Schülerinnen und Schülern verfüge, müssten freiwerdende Stellen unmittelbar neu besetzt werden. Dies gelte auch für den ländlichen Raum. Reichhold machte deutlich, dass Berufsschulklassen möglichst wohnort- und betriebsnah erhalten werden müssen und forderte die Landesregierung auf, die Neubesetzung freiwerdender Stellen langfristig zu planen.