Der Konjunkturindikator rutschte gegenüber dem Vorquartal von 23,8 auf 9,1 Punkte ab. Dieser Rückgang ist nicht mehr ausschließlich saisonal bedingt. "Die Krise ist angekommen, aber das Handwerk wird auch diese Schwächephase wie schon in früheren Konjunkturzyklen in den Griff bekommen", sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT), Joachim Möhrle. Im Vergleich zur Industrie stehe das Handwerk von Ausnahmen abgesehen nach wie vor sehr gut da. Der ifo-Konjunkturtest für die gewerbliche Wirtschaft ist im Dezember 2008 auf ein 15-Jahres-Tief von -43,8 Punkte gefallen.
Mit der Geschäftslage des abgelaufenen Quartals ist zwar ein knappes Viertel unzufrieden, aber ein Drittel der befragten Handwerker gab an zufrieden zu sein. Zu diesem Ergebnis trugen vor allem das Ausbauhandwerk und das Nahrungsmittelhandwerk bei. Möhrle: "Das gute Abschneiden des Ausbauhandwerks zeigt, dass der im Land vorhandene energetische Sanierungsbedarf von den Haushalten angegangen wird." Im Bauhauptgewerbe laufen die Geschäfte lange nicht so gut wie beim Ausbauhandwerk, auch wenn das Bauhauptgewerbe sogar eine bessere Geschäftslage als im Vorjahresquartal meldete. Das Nahrungsmittelgewerbe hat vor allem saisonal bedingt zugelegt. Zudem sorgt die im letzten Quartal deutlich verlangsamte Inflation für mehr Spielraum im Portemonnaie, wovon auch das Dienstleistungshandwerk (Frisöre, Schuhmacher) profitierte.
Die von der Industrie abhängigen Handwerker für den gewerblichen Bedarf haben zwar ihre Erwartungen deutlich zurückgeschraubt (+6,8 Punkte; nach +47,0 Punkten im 4. Quartal 2007), die positiven Rückmeldungen überwiegen jedoch noch. Pessimistisch sind wie erwartet die Kfz-Handwerker.
Insgesamt berichteten 76 Prozent der Betriebe von einem gleich bleibenden (40 %) oder besseren (36 %) Umsatz. Knapp ein Drittel geht mit positiven Erwartungen in das nächste Quartal, ein knappes Viertel mit negativen. Rund 48 Prozent der Betriebe rechnen allerdings mit einem Rückgang der Auftragseingänge im ersten Quartal 2009. Mehr als die Hälfte der Betriebe erwartet einen Umsatzrückgang.
Trotz der schwierigen Aussichten haben die Handwerker im vergangenen Quartal ihre Einstellungsbereitschaft nicht verloren. Wie im Vorjahr haben gut sechs Prozent der Betriebe neue Mitarbeiter eingestellt. Nur 9,2 Prozent der Betriebe haben Mitarbeiter entlassen, ein Jahr zuvor waren es noch 10,8 Prozent. Allerdings möchten nur noch 5,4 Prozent der Betriebe im ersten Quartal ihre Mitarbeiterzahl aufstocken. Knapp zehn Prozent gehen von Entlassungen aus.
Vor dem Hintergrund der deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung begrüßt das baden-württembergische Handwerk die Infrastrukturprogramme von Bund und Ländern, fordert jedoch eine handwerksfreundliche Vergabepolitik mit Fach- und Teillosen. Möhrle: "Möglichst rasch kommen müssen auch die Verschrottungsprämie für Altautos sowie die geplante Umstellung der Kfz-Steuer nach CO2-Ausstoß, damit die Kunden Planungssicherheit haben."
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