Mit dem Technologietransferpreis des Deutschen Handwerks, Professor-Adalbert-Seifriz-Preis, zeichnete die Wirtschaftszeitschrift „handwerk magazin“ vier Projekte aus. Nach mehreren Jahren Pause war diesmal auch wieder ein Team aus Baden-Württemberg erfolgreich. Die Preisträger haben gemeinsam innovative Produkte entwickelt und zur Marktreife gebracht. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Steinbeis-Tages in Stuttgart statt.
Dabei betonte Professor Johann Löhn, Präsident der Steinbeis-Hochschule Berlin und Vorsitzender der Jury, der Preis zeige, wie wichtig es sei, Wissenschaft und Praxis zu integrieren. Eine besondere Bedeutung komme dabei dem Handwerker zu, denn er sehe das Problem an Ort und Stelle. Rainer Reichhold, Vorstandsvorsitzender des Vereins Technologie-Transfer Handwerk und Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, erklärte bei der Preisverleihung, 70 Prozent aller deutschen Innovationen kämen aus kleinen und mittleren Unternehmen, viele davon direkt aus dem Handwerk.
Kunden kamen immer wieder mit demselben Problem zu Zimmerermeister Nowack aus Rottweil: Holzbauten im Freien wie Balkone, Pergolas oder Carports waren schon nach wenigen Jahren wegen Staunässe oder Pilzbefall verrottet. Meist an Stellen, wo die Balken miteinander verbunden sind. Mit Unterstützung von Wolfgang Müller, dem Leiter des Steinbeis-Transferzentrum Infothek in Villingen-Schwenningen, entwickelte Hubert Nowack daher das System „NOWA+- berührunglos verbinden“.
Durch spezielle Verbindungsmittel und Abstandhalter werden damit direkte Kontaktflächen zwischen zwei Holzbauteilen vermieden. Die Lebensdauer von frei bewitterten Holzkonstruktionen wird um ein Vielfaches erhöht.
NOWA+ - Berührunglos Verbinden
Zimmerei Hubert Nowack
Steinbeis-Transferzentrum Infothek
Stundenlang auf den Knien liegend arbeiten und trotzdem kein optimales Ergebnis erzielen – das ist das Schicksal vieler Trockenbauer, wenn sie Trockenestrich in großen Räumen oder bei verwinkelten Flächen ausbringen. Mit dem Nivelliergerät „estrobot“ gelingt das Verlegen von Estrich in aufrechter Haltung und damit gelenkschonend und ermüdungsarm. Unabhängig von der Raumgeometrie können Flächen mit einer Zeitersparnis von bis zu 70 Prozent bearbeitet werden. Die automatische Druckkorrektur sorgt für ein immer gleichmäßiges und präzises Arbeitsergebnis. Entwickelt wurde das Gerät von Karl-Heinz Müller von der Innenausbau Müller GmbH in Mönchengladbach und Prof. Dr. Burkhard Bischoff-Beiermann von der Hochschule Niederrhein.
Nivelliergerät estrobot
Faciles, Innenausbau Müller GmbH
Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik Hochschule Niederrhein
Innovative Fördertechnik ist das Geschäftsfeld der Firma VHV Anlagenbau im münsterländischen Hörstel. Ein ganz besonderer Erfolg ist der Doppelgurtförderer zur vertikalen Förderung von Schüttgütern. Mit ihm können Schüttgüter vom feinsten Gießereisand bis hin zu Recyclingbaustoffen ohne Materialverlust nun senkrecht nach oben transportiert werden – derzeit immerhin in bis zu 30 Meter Höhe.
Die Väter dieser Innovation sind Dipl.-Ing. Thomas Krasenbrink von VHV und Prof. Dr. Ing. Klaus Baalmann von der Fachhochschule Münster.
Doppelgurtförderer – Innovative Steilfördertechnik
Fachbereich Maschinenbau FH Münster
Firma VHV Anlagenbau
Das von der Yachtwerft Meyer aus Bremen und Prof. Dr.-Ing. Herbert Funke von der Fachhochschule Dortmund entwickelte FIBRETEMP-Verfahren revolutioniert das Formen von großen Kunststoffteilen. Denn jetzt ist die Form gleichzeitig die Heizung. Unter Nutzung der elektrischen Leitfähigkeit von Kohlenstofffasern wird die Temperatur unmittelbar an der Formenoberfläche erzeugt („CFK-Integralheizung“). Die gesamte Deckschicht ist damit gleichzeitig Formenstruktur und elektrisches Heizelement. Kunststoffformen in fast jeder Form und Größe können so energieeffizient und kostengünstig hergestellt werden, zum Beispiel Bootsrümpfe, Flugzeugteile oder Rotorflügeln von Windkraftanlagen.









