Duale Berufsausbildung nicht unter Wert verkaufen
20.10.2011"Wir dürfen die duale Berufsausbildung nicht unter Wert verkaufen", fordert der Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT). In einem Schreiben an die baden-württembergische Kultusministerin warnt Oskar Vogel vor einem weiteren Attraktivitätsverlust der Berufsbildung gegenüber den akademischen Bildungsgängen. Warminski-Leitheußer entscheidet am 21. Oktober in der Kultusministerkonferenz über die Zuordnung von Berufsqualifikationen im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), der sich wiederum an seinem europäischen Pendant orientiert.

Der Handwerkstag spricht sich für ein Prinzip der Gleichwertigkeit aus. Die von der Kultusministerkonferenz bislang favorisierte Einordnung des Abiturs auf Niveau 5 und der Spreizung der dualen Berufsausbildung über die Stufen 3 bis 5 stelle die qualitativ hochwertigen deutschen Berufsabschlüsse mit ihrem starken Fokus auf berufliche Handlungsfähigkeit und die Wertigkeit der dualen Ausbildung in die zweite Reihe, kritisiert Vogel. Auch mit Blick auf die Landeskampagne "Guter Plan!" sei es ein offensichtlicher Widerspruch, einen Abiturienten, der sich gezielt für eine duale Ausbildung entscheide, von Stufe 5 auf 4 herabzustufen. Der Handwerkstag appellierte an die Ministerin, sich für die Positionen des Handwerks einzusetzen und beide auf dem DQR-Niveau 4 einzuordnen. Unstrittig ist die Einstufung der Meisterausbildung auf Niveau 6 analog zum hochschulischen Bachelor. Vogel: "Dafür haben wir uns im Vorfeld konsequent und erfolgreich eingesetzt."

Zur Info: Der DQR ist ein Instrument zur Klassifizierung von Qualifikationen auf einer achtstufigen Skala. Dies erfolgt durch eine Zuordnung von Qualifikationen zu acht unterschiedlichen Niveaus, wobei Niveau 1 das niedrigste, Niveau 8 das höchste ist. Damit orientiert sich der DQR an der Struktur des Europäischen Qualifikationsrahmens; das heißt, dass die acht Niveaus des DQR mit den acht Niveaus des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) korrespondieren. Beides sind Initiativen für mehr Transparenz von Qualifikationen und einer verbesserten Anrechnung von Bildungsleistungen. Ziel ist zum einen die Beförderung grenzüberschreitender Mobilität zu Bildungs- und Arbeitszwecken innerhalb Europas, also zwischen den unterschiedlichen Bildungssystemen. Zum anderen soll auch die Durchlässigkeit innerhalb eines nationalen Bildungssystems nachhaltig gefördert werden.

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