"Aus Sicht des Handwerks handelt es sich um eine Rückentwicklung, wenn die verbindliche Kooperation mit der zweijährigen Berufsfachschule in Klasse 10 definitiv abgeschafft wird, wie Kultusministerin Warminski-Leitheußer in ihrer heutigen Pressekonferenz mitgeteilt hat", sagte Möhrle. Überhaupt nicht nachvollziehbar sei für ihn die Begründung der Ministerin, die Kooperation mache inhaltlich keinen Sinn und sie wolle damit unnötige Investitionen verhindern. Da sei das Handwerk definitiv anderer Meinung: "Wir hatten große Hoffnungen darauf gesetzt, dass wenigstens an der Werkrealschule eine sinnvolle Vorbereitung auf eine duale Berufsausbildung erfolgt, wenn wir schon vergeblich darauf warten, dass in den Bildungsplänen aller Schularten eine vertiefte Berufsorientierung fest verankert wird."
Auch sieht Möhrle die Zusage der Kultusministerin, der Bildungsaufbruch werde nicht ohne die beruflichen Schulen stattfinden, bei weitem nicht eingelöst. Warminski-Leitheußer räume zwar ein strukturelles Defizit bei der Lehrerversorgung ein, wolle aber vorerst nur rund 160 Stellen für Projekte der Enquetekommission "Fit fürs Leben" schaffen. Möhrle: "Das ist meilenweit entfernt von den tatsächlichen Notwendigkeiten in der beruflichen Bildung." Das Handwerk bleibe bei seiner Forderung nach mindestens 400 zusätzlichen Deputaten. Eine bedarfsgerechte und verlässliche Unterrichtsversorgung sei zentrale Voraussetzung für die von allen Parteien immer wieder vollmundig verkündete Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung. Sie bilde die Grundlage für eine duale Ausbildung auf hohem Niveau und leiste einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Wenn die Ministerin ankündige, sie wolle sehr genau überlegen, wofür sie Geld ausgebe, dann dürfe sie genau dies nicht aus ihren Überlegungen ausklammern.
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