Bildungsaufbruch ohne berufliche Schulen?
14.09.2011Trotz teilweise starker Kritik von Verbänden, Wirtschaft und Gewerkschaften sind Maßnahmen gegen das Unterrichtsdefizit an beruflichen Schulen bislang kaum erkennbar. Dennoch steht das Handwerk nicht im Regen: Auch aus den Regierungslagern mehren sich Stimmen, die Abhilfe fordern.

Vor der Landtagswahl hatten Grüne und SPD der Beseitigung des strukturellen Unterrichtsdefizits an beruflichen Schulen von 4,4 Prozent hohe Priorität eingeräumt. Allerdings fokussieren die bildungspolitischen Bemühungen derzeit in erster Linie die neue Gemeinschaftsschule. Entsprechend laut war der Aufschrei des Berufsschullehrerverbandes (BLV): "Der Bildungsaufbruch findet ohne berufliche Schulen statt". Auch Gewerkschaften und Wirtschaft, darunter der Handwerkstag, haben mit eingestimmt und sich in einer gemeinsamen Erklärung für den Abbau des Defizits stark gemacht.

Man könne sich sicher sein, dass die Landesregierung darauf achte, die leistungsfähigen beruflichen Schulen weiter zu verbessern und die Gleichstellung von allgemeinem und beruflichem Bildungswesen anstrebe, war daraufhin aus dem Kultusministerium beschwichtigend zu hören.

Konkretes geschehen ist seither freilich wenig. Was den BLV zum zweiten Mal auf den Plan rief: Die Landesregierung vernachlässige die berufliche Bildung, die Devise laute Abwarten, nicht Aufbruch. Eine begründete Kritik, hieß es doch in einer Mitteilung des Kultusministeriums zum Thema Unterrichtsdefizit kürzlich lapidar: "Wir wollen Verbesserungen erreichen, aber wir müssen abwarten, wie der Haushalt im Jahr 2012 und später aufgestellt wird."

Zu behaupten, die berufliche Bildung bliebe ganz außen vor, wäre ungerecht. Es gibt durchaus Ansätze, die jedoch vornehmlich auf berufliche Gymnasien zielen. Und die sind in der Regel nicht gerade die Nachwuchs-Zubringer des Handwerks. Werden die Bedürfnisse des Handwerks hier also auf die lange Bank geschoben? Nicht unbedingt, denn in beiden Regierungslagern gibt es Stimmen, die ebenfalls Abhilfe fordern: Zum einen hat sich die Landtagsfraktion der Grünen hinter die Forderungen des BLV gestellt, zum anderen haben zehn Karlsruher SPD-Abgeordnete Kultusministerin Warminski-Leitheußer in einem Schreiben aufgerufen, den Unterrichtsausfall an beruflichen Schulen auf Null zurückzuführen.

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