Schulleistungsvergleich muss differenziert betrachtet werden
29.07.2010Im aktuellen Ländervergleichsbericht Sprachen 2008/2009 schneidet Baden-Württemberg hervorragend ab. Allerdings berücksichtigt die Studie nur Gymnasiasten, Realschüler und wenige, leistungstarke Hauptschüler - weshalb sie weder dem Handwerk noch der Landesregierung als Entwarnung dienen darf.

Im Ländervergleichsbericht Sprachen 2008/2009 untersucht das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) die in Folge der Aufsehen erregenden PISA-Ländervergleiche definierten Bildungsziele im Bereich der Sprachkompetenz. Dazu wurden die Lernstände bei Schülern der Jahrgangsstufe 9 aus allen Bundesländern in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch hinsichtlich Lesekompetenz, Hörverstehen und Orthografie betrachtet. Baden-Württemberg hat hervorragend abgeschnitten und liegt bei allen Teilvergleichen auf einem der drei ersten Plätze.

Die Crux: Es wurden nur Bildungsgänge unter die Lupe genommen, die zu einem mittleren Schulabschluss führen. Dies bedeutet, dass von den Hauptschülern der Klassenstufe 9 nur das vermutlich leistungsstärkere Viertel untersucht wurde - nämlich die Schüler, die einen Werkrealschul-Abschluss anstreben. Was wiederum das erfreulich gute Abschneiden Baden-Württembergs aus Sicht des Handwerks in ein anderes Licht rückt: Große Teile der Schülerschaft, aus dem das Handwerk in der Regel seinen Nachwuchs rekrutiert, werden im Ländervergleich überhaupt nicht erfasst.

Betrachtet man das Ergebnis der Werkrealschüler (14 Prozent aller untersuchten Schüler) isoliert, so stellt man fest, dass in Baden-Württemberg

  • 8,3% den Mindeststandard verfehlen
  • 32,9% den Mindeststandard erreichen
  • 42,5% den Regelstandard erreichen
  • 15% den Regelstandard plus erreichen
  • 1,3% den Maximalstandard erreichen

Hält man sich vor Augen, dass das Ziel einer schulischen Ausbildung eigentlich das Erreichen des Regelstandards sein sollte, fällt auf, dass dies über 40 Prozent der Werkrealschüler nicht gelingt. Vor diesem Hintergrund dürfte laut Bildungsexpertin Karin Häcker die Antwort auf die Frage, wie es denn um die Kompetenzen der nicht untersuchten Hauptschüler bestellt ist, noch weit ernüchternder ausfallen. "Das durchaus erfreuliche Landesergebnis darf, differenziert betrachtet, weder dem Handwerk in Baden-Württemberg noch der Landesregierung als Entwarnung dienen. Ganz im Gegenteil: Es zeigt, dass gerade bei der für das Handwerk wichtigen Gruppe der Hauptschüler nach wie vor hoher Handlungsbedarf besteht," resümiert die Abteilungsleiterin Bildungspolitik des BWHT.

IQB-Bericht: Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich

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