Das Handwerk und damit die regionale Wirtschaft insgesamt profitieren deutlich vom Ausbau der Erneuerbaren Energien. Vogel: "Rund 4.500 Arbeitsplätze und etwa 200 Millionen Euro Wertschöpfung sind beeindruckende Zahlen." Etwa 20 Prozent der Wertschöpfung von der Produktion bis zur Wartung, das sind 115 Millionen Euro, seien im Jahre 2009 an das baden-württembergische Handwerk in Form von Nettoeinkommen der Beschäftigten und Unternehmensprofit gegangen.
Die Betriebe stünden als verlässlicher Partner bereit. Damit das Handwerk aber seine Qualitäten und Potenziale ausspielen könne, bedürfe es der richtigen Rahmenbedingungen und passgenauer Lösungen, unterstrich Vogel. Aber vor allen Dingen brauche diese Entscheidung jetzt endlich ein Preisschild, sowohl für die Bürger als auch für die Betriebe. Er vermisse hier ein offenes Wort der Landesregierung: "Die Kosten müssen analysiert und die Folgen benannt werden."
Das Handwerk lehne strikt den Vorschlag ab, dass der Spitzenausgleich bei der Energie- und Stromsteuer nur noch gewährt werden soll, wenn die Betriebe Einsparungen, zum Beispiel durch zertifizierte Energiemanagementsysteme, nachweisen. Das Handwerk sei auf die von der Politik geschaffenen Rahmen- und Kostenbedingungen am Standort im Land als gewissermaßen ortsgebundener Wirtschaftsbereich angewiesen und könne grundsätzlich nicht Produktion an günstigere Standorte verlagern, unterstrich Vogel. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Großbetriebe auf Kosten der übrigen Wirtschaft entlastet werden und die kleinen und mittleren Betriebe die Zeche zahlen müssten. Gerade im Handwerk entstünden weitere Belastungen wie beispielsweise Anlaufinvestitionen in Ausbildung und Qualifizierung für die modernen Techniken. Das Gesetzespaket zu Atomausstieg und Energiewende, das der Bundestag vor kurzem verabschiedet hat, ebne den Weg für mehr Investitionen in Energieeffizienz im Gebäudebestand, meinte Vogel. Das Gebäudesanierungsprogramm sei allerdings mit 1,5 Milliarden deutlich zu niedrig angesetzt und müsse auf mindestens zwei Milliarden Euro jährlich angehoben werden.
Mit großen Bedenken beobachte das Handwerk die zunehmende Marktverzerrung durch die großen Energieversorger und einen Verdrängungsprozess durch schiere Marktmacht. Vogel: "Uns treibt die Sorge um, dass die großen Energieversorger, die jetzt nach neuen gewinnbringenden Feldern Ausschau halten, noch vehementer als sie es bisher schon getan haben über die Energielieferung hinaus energiebezogene Leistungen anbieten, die bisher klar zu den Märkten des Handwerks gehörten." Durch den Kauf der EnBW-Aktien habe das Land Einfluss darauf, wie und wo der Energiekonzern seine Gewinne erwirtschafte. Der Handwerkstag erwarte deshalb ein Machtwort der Landesregierung, wenn es darum gehe, die Marktmacht in ihre Grenzen zu verweisen und vor allen Dingen die kleinen und mittleren Betriebe vor Begehrlichkeiten zu schützen. "Und wir erwarten", so Vogel weiter, "dass die Regierung zu den Leitlinien des Mittelstandsförderungsgesetzes steht."
Vogel sprach sich außerdem klar für eine Realisierung von Stuttgart 21 aus: "Dieses Projekt stärkt nicht nur den Standort Stuttgart, sondern Wachstum und Wirtschaftskraft in ganz Baden-Württemberg." Es stehe außerdem außer Frage, dass das Land seine Verkehrswege erhalten und ausbauen müsse. Baden-Württemberg als Flächenland sei auf das Auto als wichtigstes Fortbewegungsmittel angewiesen. Der Handwerkstag unterstütze die Forderung der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, den Jahresetat dafür auf mindestens 70 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken. Zur Infrastruktur zähle auch die Wohnraumversorgung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich negativ entwickelt hat. Die Wohnbauförderung im Land müsse von derzeit 48,5 Millionen Euro auf mindestens 100 Millionen Euro jährlich aufgestockt werden. Vogel: "Im europaweiten Vergleich gehört Deutschland beim Wohnungsbau zu den Schlusslichtern."
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