Den meisten baden-württembergischen Handwerksbetrieben geht es gut. Dies ergab die vierteljährliche Konjunkturumfrage des Handwerkstages auf der Basis von 1.200 befragten Betrieben. Etwas mehr als die Hälfte (51,8 Prozent) empfand die wirtschaftliche Situation im dritten Quartal als ausgesprochen gut. Vor einem Jahr waren mit rund 39 Prozent deutlich weniger Handwerker dieser Meinung. Nur knapp jeder zehnte Betrieb war unzufrieden, im Vorjahresquartal war es noch jeder fünfte.
Erfreulich auch der Blick in die Zukunft: Deutlich mehr als die Hälfte der Handwerksunternehmer (56 Prozent) erwarten im Schlussquartal gute Geschäfte. Die gravierenden Branchenunterschiede, die noch zum Jahresanfang die Situation prägten, haben sich ausgeglichen. Die Zufriedenheit der Handwerker zog sich quer durch alle Handwerksgruppen. Am besten ging es weiterhin den Bauhaupt- und Ausbauhandwerkern, wo jeweils rund zwei Drittel der Befragten gute Geschäfte meldeten.
„Hier gibt die energetische Gebäudesanierung immer noch Auftrieb, bei Privathaushalten ebenso wie im öffentlichen Bereich, wo viele Aufträge über die Investitionsprogramme von Land und Bund finanziert werden“, stellte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle fest. Beide Gruppen gehen auch außerordentlich optimistisch in den Winter. Auf Platz drei folgte mit rund 47 Prozent zufriedenen Betriebsinhabern im Schlepptau des starken Wachstums der Industrie schon das Handwerk für den gewerblichen Bedarf.
Auch die Investitionen im Handwerk haben angezogen. In den vergangenen drei Monaten investierte gut jedes zweite Handwerksunternehmen, rund 40 Prozent der Betriebe sogar mehr oder zumindest gleich viel wie im Vorquartal. Allerdings befürchtet Möhrle, dass die auslaufenden Konjunkturprogramme nicht ohne Wirkung auf die Bauhandwerke bleiben werden: „Es ist nicht zu erwarten dass die Kommunen mit eigenen Investitionen in die Bresche springen.“ Zudem sind deutliche Kürzungen in der Städtebauförderung geplant.
Möhrle bezeichnete dies als einen baupolitisch völlig falschen Weg. Erfreut zeigte sich Möhrle allerdings darüber, dass im neuen Energiekonzept der Bundesregierung die Zwangssanierung des Gebäudebestandes vom Tisch ist und stattdessen ein neues Förderprogramm „Energetische Gebäudesanierung“ aufgelegt wird und die geplanten Einsparungen im Gebäudesanierungsprogramm zumindest abgemildert wurden. Möhrle: „Es wäre ja auch absurd gewesen, einerseits für Hausbesitzer zwingende Vorgaben zu machen und gleichzeitig Fördermöglichkeiten zusammenzustreichen.“ Das Handwerk setze auf finanzielle Anreize, die eine energetische Sanierung attraktiver machen.
Die 130.000 Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg beschäftigen 730.000 Mitarbeiter, bilden 58.500 junge Menschen aus und erwirtschaften einen Umsatz von 64 Milliarden Euro.
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