Handwerkszählung auf neuer Grundlage: Mehr Daten, weniger Belastung
28.07.2011Trotz einiger methodisch bedingter Schwächen bewertet Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle die heute vom Statistischen Landesamt veröffentlichte Handwerkszählung positiv. Zum ersten Mal seit 1995 stünden wieder absolute Umsatz- und Beschäftigtendaten zum Handwerk zur Verfügung: "Erfreulicherweise ohne neue bürokratische Mehrbelastung für unsere Betriebe." Künftig soll es jährliche Auswertungen geben. In den letzten Jahren musste sich das Handwerk mit Schätzungen begnügen.
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Nach den heute veröffentlichten Angaben arbeiteten im baden-württembergischen zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerk im Jahr 2008 rund 705.000 Personen, die einen Umsatz von 77,6 Milliarden Euro ohne Mehrwertsteuer erwirtschafteten. Während die letzte Handwerkszählung noch eine Totalerhebung bei den Betrieben war, handelt es sich nun um eine Auswertung des Unternehmensregisters, das sich hauptsächlich aus Daten der Bundesagentur für Arbeit und der Finanzverwaltungen speist. Hierfür werden keine Betriebe mehr befragt. Möhrle: "Dies entlastet deren Inhaber deutlich."

Allerdings habe dieser Ansatz eine methodische Schwäche, stellte Möhrle fest. Betriebe ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die zudem weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz erwirtschaften, werden für diese Erhebung nicht berücksichtigt. Dies beeinflusst die Ergebnisse für Umsätze und Beschäftigte nur marginal. Aber die Anzahl der Handwerksbetriebe im Unternehmensregister weicht mit 76.239 Betrieben deutlich von den 104.814 Betrieben ab, die im Jahr 2008 in den Handwerksrollen eingetragen waren. Im zulassungsfreien Handwerk ist sogar nur rund jeder zweite Betrieb im Unternehmensregister verzeichnet. Das bedeutet, dass rund 50 Prozent dieser Betriebe entweder zu klein sind oder nur wenige Monate am Markt verbleiben, weil die Gründung schlecht vorbereitet wurde. Die Folge ist, dass die Angabe der Beschäftigten pro Betrieb mit neun Mitarbeitern sehr hoch ausfällt. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) geht unter Berücksichtigung aller Handwerksunternehmen von sechs Beschäftigten je Betrieb aus.

Möhrle bedauerte, dass bisher auch das handwerksähnliche Gewerbe nicht berücksichtigt wird, hält aber die geplante jährliche Auswertung für "eine hilfreiche Sache", gerade auch als Argumentationsgrundlage in politischen Gesprächen.

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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Handwerkszählung

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