Konjunkturprogramme zahlen sich aus: Handwerk bleibt in der Spur
10.07.2009"Das Handwerk bleibt in der Spur", zeigte sich Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle optimistisch. In der Jahrespressekonferenz des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT) betonte er, um das Gros der Handwerkbetriebe im Land mache er sich keine großen Sorgen. Für die nachhaltig geschädigten handwerklichen Zulieferer der Exportwirtschaft werde es aber noch Jahre dauern, bis sie sich wieder erholten: "Das fangen auch die Konjunkturpakete nicht auf."

Das Handwerk habe sich an den Jubelarien der letzten Jahre nicht beteiligt, meinte Möhrle. Denn die außenwirtschaftlichen Effekte, die für das Wachstum der baden-württembergischen Wirtschaft in hohem Maße verantwortlich waren, seien vergleichsweise gering vertreten. Dafür nehme das Handwerk nun auch nicht teil am Wettlauf um die schlechteste Nachricht zur Konjunktur. Alles in allem leiste das Handwerk in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise einen positiven Beitrag zur Lage wie zur Stimmung im Lande.

Aktuelle Lage 2.Quartal

Aktuell gehen die baden-württembergischen Handwerker mit verhaltenem Optimismus ins nächste Quartal. Auch die derzeitige Geschäftslage wird wieder etwas positiver beurteilt. Das ist das Ergebnis der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Handwerkstages. Ein Drittel der Befragten meldet eine gute Geschäftslage. Knapp 40 Prozent gehen sogar explizit von einer Verbesserung in den Sommermonaten aus. Der BWHT-Konjunkturindikator, der Lage und Erwartungen zu einer Kennzahl zusammenfasst, liegt im Juni bei 11,6 Punkten und damit wieder im positiven Bereich, nachdem er im Vorquartal ins Minus gerutscht war. Allerdings wird der Wert des Vorjahres (+ 21,1 Punkte) nicht erreicht.

Am besten beurteilen die Handwerker im Bauhauptgewerbe ihre Geschäftslage, sie haben auch die höchsten Erwartungen in die Zukunft. Das Kfz-Gewerbe hat deutlich von der Umweltprämie profitiert und schätzt seine Geschäftslage zum ersten Mal seit dem dritten Quartal 2007 wieder optimistisch ein. Rund 46 Prozent der befragten Handwerker dieser Gruppe melden steigende Umsätze (Vorjahr 37,4%). Sorgenkind bleibt das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (z.B. Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer). Hier beklagt sich rund die Hälfte der Befragten über eine schlechte Geschäftslage. Sie sind sogar die einzige Gewerbegruppe, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechtere Erwartungen an das nächste Quartal hat.

Der Anteil derjenigen Betriebe, deren Auftragseingang gestiegen ist, ist im Vergleich zum Vorjahr mit rund 35 Prozent ebenso stabil geblieben wie die Zahl der Betriebe, die ihren Umsatz steigern konnten. Die derzeit eher niedrige Betriebsauslastung wird nach den Erwartungen aber nicht steigen.

Rückblick 2008: Noch im grünen Bereich

Der BWHT legte im Nachgang zu seiner Mitgliederversammlung seinen Geschäftsbericht 2008 vor. Insgesamt stand das Handwerk Ende des Jahres noch recht gut da. Das zeigte auch der Vergleich des BWHT-Konjunkturindikators mit dem L-Bank ifo-Konjunkturtest. Das Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft ging ab dem dritten Quartal ins Minus und erreichte im Dezember sogar ein 15-Jahrestief. Der BWHT-Konjunkturindikator blieb dagegen zunächst stabil. Obwohl er dann im vierten Quartal deutlich nachgab, lag er noch immer klar im positiven Bereich. Allerdings zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerkegruppen und den Betriebsgrößenklassen.

Die Zahl der Handwerksbetriebe im Land nahm im vergangenen Jahr um 137 Betriebe bzw. 0,1 Prozent ab und liegt nun bei rund 129.300 Betrieben. Dank eines guten ersten Halbjahrs ist der Umsatz im zulassungspflichtigen Handwerk in Baden-Württemberg 2008 um 3,2 Prozent auf 69 Milliarden Euro gestiegen. Die Zahl der Mitarbeiter hingegen nahm geringfügig um 0,4 Prozent auf rund 750.000 Mitarbeiter ab (Bund: -0,9 %). Im Jahr 2008 gab es im baden-württembergischen Handwerk rund 59.600 Auszubildende. Bei den neuen Ausbildungsverträgen war mit 23.400 ein leichtes Minus von 1,1 Prozent zu verzeichnen. Möhrle äußerte die Sorge, dass angesichts stark zurückgehender Bewerberzahlen viele Ausbildungsplätze 2009 frei bleiben werden.

Kritisch äußerte sich Möhrle in diesem Zusammenhang zur Diskussion um die Werkrealschule in Baden-Württemberg. Er sehe lässt die Hoffnung auf den großen bildungspolitischen Wurf langsam aber sicher schwinden. Während der Kultusminister einen begrüßenswerten Schritt vorwärts mache, aber gleichzeitig zwei zurück, schwindet die Akzeptanz der neuen Schulart, noch bevor die Schulglocke zum ersten Mal klingle. Das Handwerk habe das ursprünglich angekündigte Konzept der Werkrealschule unterstützt. Möhrle: "Wir sind enttäuscht von dem, was nun davon übrig bleibt, denn das ist deutlich zu kurz gesprungen."

Ausblick: Stabile Situation dank Konjunkturpaketen

Dank der Konjunkturpakete der Bundesregierung hofft das Handwerk auf eine stabile Situation bei Beschäftigung, Umsätzen und Ausbildung. Der Handwerkstag rechnet mit einem moderaten Rückgang der Beschäftigung um 0,5 Prozent. Für 2009 geht der Handwerkstag von einem realen Umsatzrückgang von durchschnittlich 2,3 Prozent aus.

Die Konjunkturprogramme  kommen beim Handwerk an, sagte Möhrle. Dies gelte vor allen Dingen für das Bauhaupt- und Baunebengewerbe. Damit die Programme ihre Wirkung in der Breite auch wirklich entfalten können, müssten die Kommunen aber so weit wie möglich auf Generalunternehmervergaben verzichten. Entscheidend sei auch, dass die höheren Wertgrenzen für die freihändige Vergabe und die beschränkte Ausschreibung genutzt und Aufträge in ausreichend gegliederte Teil- und Fachlose aufgesplittet werden. Erfreulicherweise zeichne sich ab, dass eine Vielzahl kleinerer Aufträge auf den Weg gebracht worden seien.

Der Löwenanteil der 866 Millionen Euro, die der Bund den Kommunen des Landes zur Verfügung stelle, fließe in die energetische Sanierung von Gebäuden. Etwa 80 Prozent, schätzt Möhrle, kommen Handwerksbetrieben zugute. Auch wenn die tatsächliche Wertschöpfung dann unterm Strich natürlich niedriger liege, sei davon ein deutlicher Schub zu erwarten. Wenn die Hälfte der öffentlichen Investitionen aus dem Konjunkturpaket II noch in diesem Jahr ausgegeben werden solle, müsse die Vergabe in diesen Wochen erfolgen. Möhrle: "Für Sanierung, Ausbau und Wärmedämmung müssen die Schulferien genutzt werden." Schwer abzuschätzen sei, wie sich die Situation im nächsten Jahr darstelle, wenn sich bei den Kommunen rückläufige Steuereinnahmen gravierend bemerkbar machten.

Der BWHT-Geschäftsbericht 2008 ist Chronik und Spiegelbild aller handwerkspolitischen Aktivitäten des Handwerkstages, der Handwerkskammern und der Fachverbände. Er steht zum Download auf den Internetseiten des BWHT bereit:

BWHT-Geschäftsbericht 2008

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