Handwerk und Europa gehören zusammen

Anfang April führten die Mitglieder des Beirats und des Landesauschusses Europa des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) in Brüssel Gespräche zu aktuellen politischen Themen.  Vor allem der Umgang mit Daten – ob im Zusammenhang mit der DSGVO oder dem Zugriff auf maschinen-generierte Daten – stand im Fokus. Über allem aber schwebte das Dauerthema Brexit.

Bei der zentralen Abendveranstaltung in der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel hielt der Europaminister des Landes, Guido Wolf, ein leidenschaftliches Plädoyer für Europa und warb für eine starke Beteiligung des Handwerks an der kommenden Europawahl am 26. Mai. Wolf signalisierte, auch künftig das Handwerk in der Erreichung seiner europapolitischen Ziele zu unterstützen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter dem Motto „Europa und das Handwerk – Fremde Freunde?“ gab es durchaus unterschiedliche Ansichten, wie diese Ziele ausgestaltet sein sollten. BWHT-Präsident Rainer Reichhold stellte klar, dass auch in Zukunft nicht am Meisterbrief gerüttelt werden dürfe – egal, wie EU-Kommission und Parlament nach dem 26. Mai aussähen. In der Vergangenheit hatte es nämlich durchaus Versuche gegeben, die hohen Standards des deutschen Handwerks abzusenken.

Auch beim künftigen Umgang mit Daten, die von Autos und Maschinen generiert werden, müsse die EU dafür sorgen, dass der Zugang für Handwerk und Verbraucher sichergestellt werde. Sonst bestünde die Gefahr, dass diese Daten und damit Unmengen an Informationen Richtung Silicon Valley fließen – und Europa außen vor bleibt.

Dieser Meinung schlossen sich auch EU-Parlamentarier Andreas Schwab (CDU) und Wirtschaftsanalyst Oliver Dreute vom Think Tank der EU-Kommission an. Beide warben für mehr Realismus und den Weg des Kompromisses. Nur wenn die EU-Mitglieder, aber auch die Interessensvertreter nicht auf ihren eigenen Maximalforderungen beharrten, könne man einen für alle gangbaren Mittelweg finden. Das gelte für die unterschiedlichsten europapolitischen Themen, auch für die beim Handwerk ungeliebte Datenschutzgrundverordnung.

Die Schlussbotschaft von Landeshandwerkspräsident Reichhold konnten alle uneingeschränkt teilen. Nur, wenn man gemeinsam aufzeige, wie gut es allen mit Europa gehe und seine Vorteile, die für viele längst selbstverständlich geworden sind, mehr erkläre und betone, könne die Europäischen Union auch in Zukunft das sein, was sie heute ist – ein wirkliches Erfolgsmodell. 

 Einen spannenden, wenn auch ernüchternden Einblick gab am Folgetag Patrick Schäfer – von der Ständigen Vertretung Deutschlands in der EU – in die nach wie vor andauernden Verhandlungen zum EU-Austritt von Großbritannien –  der zum Zeitpunkt des Handwerksbesuchs schon hätte vollzogen sein sollen. Für dieses Chaos hatten auch die anderen Gesprächspartner, die die Handwerksvertreter im Rahmen der Reise trafen, kaum noch Verständnis.

Neben dem Brexit und seinen Folgen stand beim Treffen mit den beiden Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt und Rainer Wieland, vor allem die Entsenderichtlinie im Mittelpunkt, die häufig eher für eine Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit sorgt, statt sie zu gewährleisten. Die beiden Parlamentarier nahmen die Kritik des BWHT-Beirats auf und sagten zu, sich im Sinne des Handwerks einzusetzen. Großes Interesse zeigten Gebhardt und Wieland auch am gerade verabschiedeten BWHT-Positionspapier zur Plattform- und Datenökonomie. Hier sei es besonders wichtig, dass Europa mit einer Stimme spreche.