Digitalisierungssymposium 2016

Welche Perspektiven hat das Handwerk in einer digitalen Welt? Um diese Kernfrage drehte sich die Diskussion auf dem prominent besetzten Podium und in drei Fachforen beim  Digitalisierungssymposium des Baden-Württembergischen Handwerkstags am 17. November. Deutlich wurde vor allem eines: Handwerksorganisationen und -verbände wollen den Digitalisierungsprozess vorneweg mitgestalten –  aber es müssen die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.

"Baden-Württemberg ist nicht das Paradies – aber knapp daneben", urteilte Landesinnenminister Thomas Strobl in seinem Eingangsstatement zur Podiumsdiskussion nüchtern. Die Rede ist vom komfortablen dualen Ausbildungssystem, das die Möglichkeit eröffnet, die Jugendlichen hierzulande bedarfsorientiert – das heißt, für die Zukunft, digitalisierungsorientiert – auszubilden. Eine Notwendigkeit, die Landeshandwerkpräsident Rainer Reichhold  unterstrich: "Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte in einer digitalen Arbeitswelt von morgen." Auch der starke Zulauf beim Fachforum "Ausbildung 4.0" signalisierte, dass die Ausbildung, beziehungsweise die Überwindung der im wortwörtlichen Sinne „"Kreidezeit" in den Schulen und Berufsschulen, ein Schlüssel zu einem erfolgreichen Schritt ins digitale Zeitalter ist.

Als nicht ganz so paradiesisch empfanden vor allem die Teilnehmer des Fachforums "Breitbandausbau" den Zustand der Daten-Infrastruktur. Die Breitbandabdeckung und auch die Mobilfunkabdeckung seien längst noch nicht so gut, als dass das Handwerk sorgenfrei seinem Geschäft nachgehen könnte. Hier genießen die Betriebe jedoch die volle Unterstützung der Landesregierung, die den Glasfaserausbau rasch vorantreiben will. Minister Strobl machte deutlich: "Es ist unser  Ziel, bis in zwei Jahren auch noch den letzten Schwarzwaldort ans Breitbandnetz anzuschließen."

Über alle Foren hinweg sandten die rund insgesamt rund 120 Teilnehmer des Symposiums allerdings auch ein aufforderndes Signal in Richtung der Handwerksbetriebe: Für eine erfolgreiche Zukunft sollten sie stärker miteinander kommunizieren, kooperieren und, beim Breitbandzugang, auch in finanzieller Hinsicht investieren. Das Forum "Energiewende" kam gar zu dem Schluss, dass das Handwerk als Brückenbauer zwischen Politik und Kunden fungieren muss.

Der Spagat zwischen den Kunden auf der einen und Schutz der Arbeitnehmer auf der anderen Seite sorgte vor allem bei der von SWR-Moderatorin Birgit Klaus geleiteten Podiumsdiskussion für Kontroversen. Roland Werner vom Fahrdienstvermittler Uber betonte, dass sein Unternehmen vor allem die Interessen der Kunden im Blick habe. Das heißt im Umkehrschluss: Die Gefahr ist, dass bei der immer stärkeren Ausrichtung auf den Kunden in Firmen mit digitalen Geschäftsmodellen die Mitarbeiter vergessen werden.

IG Metall-Chef Roman Zitzelsberger machte jedoch deutlich, dass er seine Aufgabe darin sieht, die Arbeitnehmer zu schützen, deren Arbeitsbedingungen sich durch die Digitalisierung verschlechtern – genauso diejenigen, deren Jobs wegrationalisiert werden. Zitzelsberger war sich jedoch, wie seine Mitdiskutanten Reichhold und Strobl, sicher: An anderer Stelle werden neue Arbeitsplätze entstehen. Nur wie die genau aussehen, das konnte auch auf dem Symposium noch nicht ermittelt werden.

Allgemein siegte jedoch der Optimismus: "Ich kann mir keinen größeren Innovationspool vorstellen als das baden-württembergische Handwerk", betonte Strobl. Gute Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Digitalisierung im Handwerk, die der Baden-Württembergische Handwerkstag auch in Zukunft mit Digitalisierungsprojekten unterstützen will.

Impressionen vom Digitalisierungssymposium 2016