Digitalisierungssymposium 2019

© KD Busch

Auf gute Resonanz stieß das zweite Digitalisierungssymposium des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) Ende Februar in der Sparkassenakademie in Stuttgart. Unter dem Titel "Digitale Transformation – der Wandel beginnt im Kopf" stand das Thema der digitalen Unternehmenskultur im Fokus.

Sehr unterhaltsam und informativ gestaltete sich die Keynote von Professor Klemens Skibicki von der Cologne Business School. Der Experte für digitalen Wandel und Social Media hatte eine klare Botschaft: Bei der Digitalisierung geht es um Menschen. Und deren Motive seien eigentlich wenig neu: „Menschen machen das, was sie immer schon gemacht hätten, wenn es denn möglich gewesen wäre“. Die Technologie sei daher lediglich ein „Befähiger“, viel wesentlicher seien es aber die individuellen, psychologischen und soziologischen Aspekte.

Die Hürden sind im Kopf

Entsprechend bestünden die Hürden, die ein erfolgreicher Digitalisierungsprozess zu nehmen habe, vor allem in den Köpfen – eine These, zu der es Skibicki verstand, den Teilnehmern augenzwinkernd den Spiegel vorzuhalten. Mit dem Blick eines Historikers machte er deutlich, dass eine gewisse Widerstandshaltung zunächst normal sei, man sich diese jedoch bewusst machen und überwinden müsse, wolle man auf Dauer nicht abgehängt werden.

Desorientierung ist normal

Ebenso normal sei es, dass zum Beginn eines tiefgreifenden Strukturwandels zunächst Desorientierung herrsche. Wobei sich das ehemalige Kernmitglied des Beirates „junge digitale Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie einen Seitenhieb auf die Bundesregierung nicht verkneifen konnte:  Nachdem es an einem einheitlichen Verständnis des Digitalisierungsbegriffs mangele, sei hier auch kein ganzheitliches Konzept zu erkennen.

Vertiefung in Fachforen

Die lebhafte Keynote befruchtete auch die anschließenden Fachforen, in denen sich die Symposiumsteilnehmer zu Geschäftsmodellen und Branchengrenzen, zur Rolle des Handwerks im digitalen Zeitalter sowie zu den Bedingungen der neuen Arbeitswelt austauschten.

Den Netzausbau angemahnt

Den Nachmittag eröffnete BWHT-Vizepräsident Thomas Bürkle, der drei Handlungsfelder herausstellte, die das Handwerk als besonders dringlich empfindet und bei dem es die Landespolitik in der Pflicht sieht: Die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Digitalisierungsbereich, die zügige Einführung von E-Government-Lösungen sowie den Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes. Der stellvertretende baden-württembergische Ministerpräsident Thomas Strobl nahm diesen Ball auf und stellte dar, dass das Land just die Mittel für seine ressortübergreifende Digitalisierungsstrategie von 300 Millionen auf eine Milliarde Euro aufgestockt habe. Rund die Hälfte dieser Summe fließe in den Netzausbau. Ziel der Landesregierung sei es, Baden-Württemberg zur digitalen Leitregion in Europa zu machen und auch „den letzten Schwarzwaldhof“ mit schnellem Internet zu versorgen.

Diskussion mit Praktikern

Im Anschluss an seinen Impulsvortrag diskutierte Strobl mit Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold und drei Gästen aus dem Handwerk über praktische Branchenentwicklungen rund um die Digitalisierung. Wobei es Raumausstattermeisterin Hanna Schaaf auf den Punkt brachte: „Wir müssen unsere Prozesse im Hintergrund digitalisieren, um uns vor Ort beim Kunden noch besser auf die Handwerksleistung konzentrieren zu können.“