Auf dem Weg ins digitale Morgen

Beim dritten Digitalisierungssymposium des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) im Juni 2021 haben Handwerksbetriebe mit Experten diskutiert, wie weit vorangeschritten die Digitalisierung im Handwerk bereits ist, wo es noch ungenutzte Potenziale gibt und wie auch die betriebliche Ausbildung von digitalen Mitteln profitieren kann. Zu Gast war auch der stellvertretende Ministerpräsident und Digitalisierungsminister des Landes, Thomas Strobl.

"Die Pandemie hat gezeigt, dass ohne digitale Mittel, Technik und Prozesse kaum noch etwas geht. Die Handwerksbetriebe stehen der Digitalisierung ganz überwiegend positiv gegenüber und die Best-Practice-Beispiele bei unserer Veranstaltung haben eindrucksvoll gezeigt, was heute schon digital möglich ist - aber auch, was es braucht, damit das Handwerk in Zukunft noch digitaler sein kann. Mit Förderinstrumenten wie der Digitalisierungsprämie Plus oder der Zukunftsinitiative `Handwerk 2025` haben wir in Baden-Württemberg dabei schon ein gutes Rüstzeug", so Landes-handwerkspräsident Rainer Reichhold.

Digitalisierungsminister Thomas Strobl betonte: "Das Handwerk ergreift die aus der Digitalisierung erwachsenen Chancen, integriert digitale Technologien und Prozesse und stellt sich den damit verbundenen Herausforderungen. Aber klar ist auch, dass das Handwerk nur so erfolgreich sein kann, wie es die Rahmenbedingungen erlauben. Für diese richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen - das ist Aufgabe der Politik. Wir in Baden-Württemberg gestalten den digitalen Wandel daher mit aller Kraft und gehen weiter so entschlossen voran wie kein anderes Land."

In den drei Fachforen kamen ausgewiesene Experten und herausragende Betriebe zu Wort. Im ersten Forum Handwerk 4.0 stellte Andreas Owen, Gründer von wirsindhandwerk.de und einer der Autoren der Studie "Digitalisierungsbarometer" vor, wo das Handwerk aktuell digital steht. Eines der Ergebnisse: Die eklatante Barriere durch die oft mangelhafte lokale Infrastruktur. Dies betrifft unter anderem die Versorgung mit Breitbandanschlüssen als Voraussetzung für den Einsatz digitaler Instrumente. Hier wird schon lange ein großer Unterschied zwischen Stadt und Land beklagt. Die aktuell gute Auftragslage im Handwerk verzögert Digitalisierungsmaßnahmen zum Teil, um in Zukunft aber sichtbar und attraktiv für Kunden zu bleiben, sollten Digitalisierungsprojekte nicht verzögert, sondern beherzt angepackt werden - so die einhellige Meinung der Teilnehmenden.

Rund um das Thema Bauen 4.0 drehte es sich im Forum Nummer zwei: Der Architekt und Experte für Building Information Modeling (BIM), Sirri El Jundi, zeigte die Perspektiven für das digitale Bau- und Ausbauhandwerk auf. BIM wird entscheidend für das Bauen in der Zukunft sein, um beispielsweise passgenaue Serviceangebote rechtzeitig anzubieten oder Ressourcen möglichst energieeffizient zu nutzen. Durch die Modellierung und Kombination von Bauwerksdaten kann beispielsweise Energie eingespart werden; Schäden können durch BIM präventiv oder zumindest frühzeitig erkannt werden.

Dass die Digitalisierung des Handwerks bereits in der Ausbildung beginnen muss, machten die Beiträge im Rahmen des Workshops Ausbildung 4.0 deutlich. Denn für eine erfolgreiche Nachwuchssicherung müssen Ausbildungsangebote auf der Höhe der Zeit sein. Wie das schon heute funktionieren kann, zeigte exemplarisch der Friseurbetrieb Conny und Team, der eine App zur Unterstützung in der Ausbildung ins Leben gerufen hat. Mit digitalen Lernkarten wird die Friseurausbildung erleichtert und auf den neuesten Stand gehoben. Digitale Inhalte und Möglichkeiten ergänzen die Qualifizierung im Handwerk längst angemessen und zeitgemäß. Ausbildung 4.0 ist Mittel, Inhalt und Lehr-/Lernmethode. Das Fazit des Workshops: Praktisches solle nicht in erster Linie durch Digitales ersetzt werden. Vielmehr gehe es darum, eine Ausbildung sinnvoll digital ergänzen.

Impressionen vom Digitalisierungssymposium 2021