Möhrle übergibt Steuer an Nachfolger Reichhold

Vertreter der Politik, Ministerien, der Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Schulen – alle waren gekommen zum großen Festakt des baden-württembergischen Handwerks am 15. Juli 2015 in der Sparkassenakademie Stuttgart. Der Anlass: Präsidentenwechsel beim BWHT. Landeshandwerkspräsident a.D. Joachim Möhrle, der von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde, übergab das Steuer nun auch offiziell an seinen Nachfolger Rainer Reichhold.

"Über viele Jahre hinweg hat sich Joachim Möhrle für das Handwerk und für eine gute Zukunft der Handwerksberufe in Baden-Württemberg eingesetzt", lobte  Kretschmann in seiner Festrede. Kompetent und kooperativ habe er sich auch in die Landespolitik eingebracht. So habe Möhrle die Landesregierung beispielsweise bei der Umsetzung der Energiewende oder bei der Einführung der Gemeinschaftsschule von Anfang an konstruktiv, aber auch kritisch unterstützt. Sein Anliegen, das Unterrichtsfach Wirtschaft in den Schulen zu verankern, habe man gerne aufgegriffen. "Auf Bundesebene hat  Möhrle ebenfalls einen hervorragenden Ruf", betonte der Ministerpräsident.

Das Handwerk habe mittlerweile nicht nur ein gutes Image, es biete auch gute Berufsperspektiven, meinte Kretschmann weiter. Dies gelte auch für Migranten und Flüchtlinge in Baden-Württemberg. Daher setze sich die Landesregierung für ein Bleiberecht über die gesamte Dauer der Ausbildung sowie für die ersten zwei Jahre nach Beendigung der Ausbildung ein. Dies gehört auch zu den zentralen Forderungen des Handwerks, wie ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer unterstrich. Er hob Möhrles großes Engagement auf Bundesebene hervor. Möhrle war unter anderem Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Handwerkskammertages sowie des ZDH.

Ehrenpräsident Möhrle sprach in sehr persönlichen Worten seinen Dank für die vertrauensvolle und kollegiale Zusammenarbeit aus. Er umriss noch einmal kurz einige Themen, die ihm während seiner zehnjährigen Amtszeit besonders am Herzen lagen: Die Energiepolitik ("der Energiekonsens ist eine Mogelpackung"), die vorgezogene Rente mit  63 ("eine Katastrophe für die jüngere Generation"), eine Mittelstandspolitik, die in der Umsetzung nicht zufriedenstellend sei ("da nützen auch Sonntagsreden nichts"). Das Handwerk brauche die richtigen und vor allem ehrliche Rahmenbedingungen: "Das Handwerk liebt den fairen Wettbewerb. Wir wissen, dass wir stark sind."

Dem Dank an seinen Amtsvorgänger schloss sich auch BWHT-Präsident Rainer Reichhold an. In seinem Ausblick betonte er, das Handwerk trete geschlossen mit einer Stimme auf und sei für die Herausforderungen gut gerüstet. Als Stichworte nannte er die Meisterpflicht als Berufszugang, die Novellierung des Erbschaftssteuerrechts, die Stärkung der dualen Ausbildung, aber auch Fachkräftesicherung, Digitale Agenda und die Flüchtlingspolitik. Kritisch merkte Reichhold an, Gesetze und Verordnungen seien eher auf Großbetriebe zugeschnitten. Aber zum Beispiel Bürokratielasten müssten von einem durchschnittlichen Handwerksbetrieb problemlos zu erbringen sein: "Handwerk und Mittelstand müssen daher stärker in den Fokus rücken."  Reichhold bekräftigte seine Forderung nach einem  eigenständigen Wirtschaftsministerium mit neuem Zuschnitt und nach einem Schulfrieden im Land.

Die Begrüßung zu Beginn der Veranstaltung hatte ein Duo übernommen: BWHT-Vizepräsident Harry Brambach und Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, an deren Spitze Möhrle ebenfalls viele Jahre gestanden hatte. Eine Bildpräsentation ließ Möhrles Amtszeit Revue passieren. Die musikalische Begleitung durch die drei Sängerinnen von "HoneyPie" und ein unterhaltsamer Showact mit der "Schwäbischen Putzfrau" rundeten der Abend ab.