Parlamentarischer Abend: Schlachtfest 2015

Parlamentarier des Landtags jeder Couleur, darunter Minister und Fraktionsvorsitzende, Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammern, Vertreter der Fachverbände und befreundeter Organisationen – das konnte nur eines bedeuten: der Handwerkstag hatte zum  „Schlachtfest“ eingeladen. Zum achten Mal war er Gastgeber eines parlamentarischen Abends, dem politisch-gesellschaftlichen Treffpunkt des Handwerks in Baden-Württemberg.

Mehr als 50 Abgeordnete nutzten die Gelegenheit  zum alljährlichen Gedankenaustausch zwischen Wirtschaft und Politik abseits aller Regularien in lockerer Runde. BWHT-Präsident Rainer Reichhold freute sich über ein volles Haus und begrüßte neben Landtagspräsident Wilfried Klenk (CDU) auch Kultusminister Andreas Stoch (SPD), den Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), Staatssekretär Peter Hofelich (SPD), die Fraktionsvorsitzenden Guido Wolf (CDU), Edith Sitzmann (Grüne), Claus Schmiedel (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP).

Reichhold griff die Kernpunkte aus den landespolitischen Positionen des Handwerkstages zur Landtagswahl 2016  auf, zu denen an erster Stelle die Forderung nach einem eigenständigen Ministerium für Wirtschaft, Bau und Digitalisierung gehört. Eine der größten Herausforderungen sei die Fachkräftesicherung. Gemeinsames Ziel müsse sein, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu steigern: „Dreh- und Angelpunkt dabei ist die Bildungspolitik.“ Individuelle Lernformen an allen Schularten, die Weiterentwicklung des Zwei-Säulen Models und die Stärkung der Berufsorientierung seien Themen, die das Handwerk umtreiben. Ebenso die Sicherung der Berufsschulen vor Ort und die Erhöhung der Internatskostenzuschüsse für Auszubildende.

Überstrahlt werde jedoch alles von der aktuellen Flüchtlingssituation. „Wir können und wollen helfen“, betonte Reichhold. Für das Handwerk, das auf zusätzliche Fachkräfte angewiesen sei, bedeute dies auch eine große Chance. Für eine  erfolgreiche Integration in Ausbildung und Arbeit brauche es aber das Zusammenspiel aller zuständigen Stellen. Reichhold bekräftigte deshalb die Forderung des Handwerkstages nach Bildung einer Taskforce: „Da müssen alle an einen Tisch.“

Alle gemeinsam stünden vor großen Herausforderungen, sagte auch Landtagspräsident Klenk. Die Integration der Flüchtlinge sei eine Mammutaufgabe, für die es keine Blaupause gebe. Entscheidend sei jetzt, dass den vielen Reden nun auch Taten folgten. Das Handwerk sei nach wie vor der Ausbilder der Nation, bescheinigte Klenk den Handwerkern und lobte die gelungene bundesweite Imagekampagne: „Vielerorts ist steigendes Interesse spürbar.“ Der  Besuch des Schlachtfestes sei für viele seiner Kollegen schon zur Tradition geworden. Eine vertrauensvolle Kommunikation sei schließlich die beste Basis für die Zusammenarbeit.

Das Schlachtfest ist bekannt für originelle Dekorationen. Ob Heuballen oder Krautköpfe – passend zur Jahreszeit ist das Forum der Handwerkskammer Region Stuttgart nicht nur in stimmungsvolles Licht getaucht. Weintrauben, Kürbisse und Astern schufen die herbstliche Atmosphäre. Der musikalische Beitrag kam wie schon in den Vorjahren von der Jazzband Boogaloo mit Sängerin Ruth Sabadino, der es mal wieder gelang, die Veranstaltung dezent zu begleiten, aber immer wieder Beifall einheimste. Wenig Respekt vor großen Namen zeigte Kabarettist Markus Neuweiler alias Hausmeister Alois Gscheidle, der von der Bildungspolitik  über die Energiewende bis zur  vorgeschriebene Efeubegrünung  von Neubauten absurde bürokratische Regelungen aufspießte, die dem Handwerk das Leben schwer machen. Aber auch eine ganze Reihe der Gäste kamen nicht ungeschoren davon.