Parlamentarischer Abend: Schlachtfest 2018

Dem Handwerk eilt sein Ruf voraus – so war die launige Begrüßung der Landtagsvizepräsidentin Sabine Kurtz zu verstehen: „Die gute Stimmung beim Schlachtfest des Handwerks ist schon legendär! Ich freue mich, dass ich sie nach so vielen Jahren selbst miterleben darf.“ Sie hoffe auf interessante Gespräche und viel Input im Laufe des Parlamentarischen Abends. Bei fast sommerlichen Temperaturen mitten im Herbst begrüßte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold neben Sabine Kurtz rund 130 Gäste aus Politik und Handwerksorganisationen. Und verteilte seinerseits Lob an die Landesregierung.

Das gemeinsame Projekt „Strategie und Perspektive Handwerk 2025“ von Handwerk und Landeswirtschaftsministerium, mit dem die Handwerksbetriebe im Land fit gemacht werden für die Zukunft, sei ein echtes Filetstück: „Wir wissen es außerordentlich zu schätzen, wie Sie sich hier für das Handwerk engagieren. Dafür möchte ich mich im Namen aller Handwerksvertreter ausdrücklich bedanken.“ Zwanzig Maßnahmen seien in diesem bundesweit einmaligen Projekt gemeinsam definiert worden. Mittlerweile ist ein guter Teil davon umgesetzt oder in Planung. „Wir wünschen uns, dass dieses Projekt eine Zukunft hat. Über die bereits vereinbarte Laufzeit bis 2019 hinaus. Hier setzt das Handwerk auf Unterstützung der Politik für eine Verlängerung“, äußerte Reichhold einen großen Wunsch des Handwerks.

Berufliche Bildung stärken

Weniger zufrieden zeigte sich der Landeshandwerkspräsident mit dem Stand der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. „Unsere jungen Handwerker sind durch die Kosten des Meisterlehrgangs klar im Nachteil gegenüber den Studenten, die nichts für ihre Ausbildung zahlen müssen. Die Landesregierung sollte hier nicht auf Berlin warten, sondern selbst tätig werden. Eine Meisterprämie von 1.500 Euro wäre ein Schritt zur Gleichwertigkeit der beiden Bildungswege. Halbgare Worte helfen uns nicht weiter“, formulierte Reichhold die Erwartungen seitens des Handwerks.

Handwerk erfindungsreich


Bei Landtagsvizepräsidentin Kurtz stieß er auf großes Verständnis. Als langjährige Bildungspolitikerin sei ihr die duale Ausbildung ein ganz besonderes Anliegen. „Wir wissen, welche spannenden Berufe das Handwerk zu bieten hat. Ich werde deshalb weiter für die Stärkung der dualen Ausbildung werben“. Kurtz nannte die erfolgreiche Lernsoftware „Meister-Power“ des Handwerks als Beispiel für die Kreativität und den Erfindungsreichtum, wenn es darum gehe, junge Menschen für eine Zukunft im Handwerk zu begeistern.

Zusagen einhalten

Für viel Ärger sorgen dagegen zurzeit die kommenden Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge. Das Handwerk  poche darauf, dass die Landesregierung ihre getroffenen Zusagen für langfristige Ausnahmen einhalte, mahnte Reichhold. „Es ist zur Stunde nicht abzusehen, ob die viel zu späten Bemühungen aus Berlin wirklich weiterhelfen. Oder ob sie letztlich nur ein weiteres Konjunkturprogramm für die Autohersteller sind. Wir brauchen deshalb die zugesagten umfassenden Ausnahmegenehmigungen für die Fahrzeuge von Handwerksbetrieben, wenn Fahrverbote in Kraft treten.”

Zuwanderung als Chance

Ein positives Bild von Migration – diese Chance biete die Verbindung von Arbeit und Leistung im aktuell diskutierten Fachkräftezuwanderungsgesetz. Das Handwerk integriere sich überdurchschnittlich bei der Integration von Geflüchteten. Mittlerweile seien in Baden-Württemberg fast 3.000 Menschen aus Asylzugangsstaaten in Ausbildung. „Unsere Betriebe investieren viel, personell und finanziell. Diese Bemühungen dürfen nicht umsonst sein. Für uns ist die rasche Umsetzung des Einwanderungsgesetzes ein Kernanliegen“, appellierte Reichhold abschließend an die Politiker.

Lockere Atmosphäre

Die Gäste unterhielten sich danach bestens mit den Vertretern des Handwerks. Ob am deftigen Schlachtfest-Buffet oder den rustikalen Biertischen – die gute Stimmung bestätigte, was Landtagsvizepräsidentin vom Hörensagen bereits vernommen hatte. Auch der herbstlich dekorierte Saal und die tolle musikalische Begleitung durch Linda Kyei und ihre Band trugen wesentlich zum passenden Ambiente bei.