Parlamentarischer Abend: Schlachtfest 2019

Nicht nur das Essen war deftig – auch in der Rede von Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold und den anschließenden Gesprächen ging es intensiv zur Sache. Der 12. Parlamentarische Abend des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) – besser bekannt als Schlachtfest – war auch in diesem Jahr wieder ein gelungener Schlagabtausch zwischen Handwerk und Politik.

Besondere Würze in den Abend brachte der Landeshaushalt für die beiden kommenden Jahre, der noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold machte den Vertretern aus dem Landtag gleich zu Beginn klar, dass das Handwerk bei einer Forderung für den neuen Haushalt gewiss nicht locker lassen werde – der Einführung einer Meisterprämie ab dem nächsten Jahr. Auf dem Weg zu mehr Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung sei diese Unterstützung für junge Nachwuchskräfte unerlässlich, so Reichhold. Bisher werde diese Gleichwertigkeit „zwar in vielen Sonntagsreden beschworen“, in der Realität sähe es aber nach wie vor ganz anders aus.

Positives zu Handwerk 2025

Während die Meisterprämie zumindest bisher noch auf sich warten lässt, gibt es gute Nachrichten aus dem Landtag für die Zukunftsinitiative „Handwerk 2025“, die – so übereinstimmend Vertreter verschiedener Parteien – fortgeführt werden soll. BWHT-Präsident Reichhold ging trotzdem lieber auf Nummer sicher und macht eindrücklich deutlich, dass die Themen Personal, Strategie und Digitalisierung auch in den kommenden Jahren das Handwerk fordern werden. Unterstützung wie „Handwerk 2025“ sei deshalb unbedingt notwendig.

Handwerk für Klimaschutz

An dem Megathema Klimaschutz kam an diesem Abend ebenfalls niemand vorbei. Reichhold betonte, dass das Handwerk hier eine entscheidende Rolle spiele und bereits Tag für Tag zu mehr Klimaschutz und dem Gelingen der Energiewende beitrage. Während „alle anderen darüber reden, setzt das Handwerk längst um“. Durch den Austausch alter Heizungsanlagen, die Verwendung von recycelten Baustoffen und innovativen Baumethoden, die Einrichtung von Smart Homes für mehr Energieeffizienz oder den Einbau von Photovoltaikanlagen. Auch in Sachen Nachhaltigkeit liege das Handwerk weit vorne, denn traditionell stehe Wiederverwendung und Reparatur vor Entsorgung.

Technologieoffenheit gefordert

Ersparen wollte und konnte der Handwerkspräsident den Gästen aus der Politik nicht die Forderung nach Ausnahmen für Handwerksfahrzeuge, wenn im nächsten Jahr die ersten Fahrverbote für Euro 5-Diesel kommen. Reichhold warb für mehr Technologieoffenheit bei Mobilitätkonzepten. Der Ausbau der Elektromobilität werde zwar Verbesserungen bringen. Aber wahrscheinlich brauche es weitere Technologien für die Zukunft.

Bürokratie ist Dauerbrenner

Und schließlich wollte der Handwerkspräsident auch den Unmut der Handwerksbetriebe in Sachen Bürokratie weitergeben. Denn statt weniger werde diese konstant mehr. Das Land Baden-Württemberg habe extra einen Normenkontrollrat eingeführt, der Gesetze und Verordnungen auf unnötige Belastungen prüfen soll. Allerdings lägen die Handlungsempfehlungen des Rates bisher weitgehend unangetastet in den Schubladen der Ministerien. Das seit langem erwartete Bürokratie-Entlastungsgesetz des Landes Baden-Württemberg lasse weiter auf sich warten, ärgerte sich Reichhold. Der mit seinem Rundumschlag viel Diskussionsstoff für die Gespräche zwischen Handwerksvertretern und Politik lieferte und den Startschuss für einen langen, spannenden Abend gab.