Mitgliederversammlung  12.07.2021

Der Landesvater brachte erfreuliche Zusagen mit

Der als Ehrengast zur Mitgliederversammlung des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) geladene Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte nicht nur wertschätzende Worte, sondern auch einige Versprechen im Gepäck. So soll die Zukunftsinitiative Handwerk 2025 auch über das Jahr 2021 hinaus fortgesetzt werden.


Bei einem seiner ersten Präsenzauftritte nach den Einschränkungen der Pandemie Mitte Juli dankte Kretschmann den Handwerkerinnen und Handwerkern für ihre Nervenstärke und ihr Durchhaltevermögen während des letzten Jahres und betonte die besondere Rolle, die das Handwerk in der Gesellschaft übernehme. "Es steht für beste Qualität und Leistung. Die Handwerkerinnen und Handwerker sind die Stütze unserer mittelständisch geprägten Wirtschaft. Ohne Handwerk geht nichts. Es sind schließlich die Handwerkerinnen und Handwerker, die die Solaranlage auf dem Dach installieren, die die Wärmepumpe im Boden vergraben, oder klimafreundlich bauen", so der Ministerpräsident in seiner Rede.

In der anschließenden Diskussion mit Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold und Moderatorin Anja Lange plädierte der Ministerpräsident – angesprochen auf seinen Lerneffekt aus der Krise – dafür, die getroffenen Entscheidungen und deren Auswirkungen genau zu analysieren, damit es in zukünftigen ähnlichen Situationen besser gemacht werden könne. Die Eingriffe für Bevölkerung und Wirtschaft dürften keinesfalls mehr ähnlich drastisch ausfallen.

Fortsetzung von "Handwerk 2025"

Reichhold wiederum machte deutlich, dass die zahlreichen für das Handwerk so zentralen Vorhaben aus dem neuen Koalitionsvertrag auch tatsächlich umgesetzt werden müssten und nicht dem festgeschriebenen Finanzierungsvorbehalt zum Opfer fallen dürften. Dazu zählen beispielsweise die Meister- und die Meistergründungsprämie oder die ausreichende finanzielle Unterstützung der handwerklichen Bildungszentren. Kretschmann entgegnete, dass die Wirtschaftsdaten wieder gut seien und man durchaus einiges investieren könne. Eine gute Nachricht auch für die Zukunftsinitiative "Handwerk 2025", deren Fortführung er über das Jahr 2021 hinaus zusagte.

Einsatz für mehr Auszubildende

Ein Herzensanliegen ist für das Handwerk seit jeher die Ausbildung junger Menschen. Auch wenn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bisher im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich gestiegen ist – es gibt nach wie vor deutlich mehr offene Stellen als Bewerber. Daher appellierte der Landeshandwerkspräsident an den Politiker: "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, möglichst viele junge Menschen in Ausbildung zu bringen. Gerade auch diejenigen, die in diesem besonderen Jahr noch unschlüssig und zurückhaltend sind". Dem schien sich der Ministerpräsident durchaus bewusst. Er versprach, sich zeitnah in einer handwerklichen Bildungsstätte vor Ort für die Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung stark zu machen.

Gemeinsames Ärgernis: Bürokratie

Besonders lebhaft wurde die Diskussion beim Thema Bürokratieabbau. Reichhold, der schilderte, wie sich Handwerkerinnen und Handwerker tagtäglich mit überbordenden Vorschriften herumärgern müssen, drängte darauf, dass die vielen Vorschläge zur Reduzierung von Bürokratie, die vom Handwerkstag, aber auch dem landeseigenen Normenkontrollrat eingebracht wurden, endlich umgesetzt würden. Er stieß damit beim Ministerpräsidenten zwar grundsätzlich auf offene Ohren. Allerdings wies dieser darauf hin, dass nur wenige Prozent der Bürokratie überhaupt vom Land verursacht werden würden, während die Mehrheit aus EU- und Bundesvorgaben stamme. Das Land stoße hier selbst häufig an Grenzen des Machbaren – ein persönliches Ärgernis auch für ihn. Auch hier versprach er jedoch, sich im Rahmen der Möglichkeiten für Verbesserungen einzusetzen.