2. Quartal 2021  08.07.2021

Handwerkskonjunktur nimmt weiter Fahrt auf

Eine verbesserte Stimmung im zweiten Quartal, aber große Sorgen wegen der stark steigenden Materialpreise – so fasste Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold die aktuellen Konjunkturdaten der Branche bei der heutigen Mitgliederversammlung des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) zusammen. Gegenüber Ehrengast Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte er die Erwartung, dass die zahlreichen für das Handwerk zentralen Vorhaben aus dem neuen Koalitionsvertrag umgesetzt werden müssten und nicht dem festgeschriebenen Finanzierungsvorbehalt zum Opfer fallen dürften.


Die Stimmung der Betriebe hat sich im zweiten Quartal deutlich verbessert.  Gut 60 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Lage als gut. Vor einem Jahr waren das nur 43 Prozent, 2019 allerdings noch ganze 76 Prozent. 13 Prozent ging es nach eigenen Auskünften schlecht. In sechs der sieben Handwerksgruppen gibt es erstmals seit einem Jahr wieder mehr Optimisten als Pessimisten. Vor 12 Monaten war dies nur im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe der Fall. Allerdings: Nahrungsmittel- und Kfz-Gewerbe haben die Krise noch nicht hinter sich gelassen. Jeder vierte Nahrungsmittelbetrieb war schlecht ausgelastet. Dort und auch im Kfz-Bereich wurde Beschäftigung abgebaut. 

„Es freut uns sehr, dass die Stimmung vieler Handwerksbetriebe wieder besser ist. Jetzt zahlt sich aus, dass viele Gewerke während der Hochphase der Pandemie durcharbeiten konnten. Für andere ist die Krise jedoch nach wie vor nicht überstanden, sie benötigen unsere Unterstützung und die der Politik ganz besonders. Vor diesem Hintergrund besorgen uns die weiter drastisch steigenden Materialpreise und zunehmenden Lieferausfälle sehr. Es darf nicht dazu kommen, dass jetzt genau die Gewerke, die entscheidend zur Stabilität beigetragen haben, wegen Spätfolgen der Krise in ernste Schwierigkeiten geraten. Wir haben der Landesregierung erneut angeboten, kurzfristig ins Gespräch über mögliche Unterstützungsmaßnahmen zu kommen. Das ist in anderen Bundesländern bereits geschehen“, so Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. In der BWHT-Umfrage klagten 83 Prozent der Betriebe über stark gestiegene Einkaufspreise. Und dies zunehmend nicht nur im Baubereich, sondern über alle Branchen hinweg. Selbst im weniger materialintensiven Dienstleistungsgewerbe klagt mehr als jeder zweite Betrieb über gestiegene Kosten.

Auch beim Blick auf die Auslastung der Betriebe zeigt sich, dass die wirtschaftliche Lage noch nicht wieder stabil ist. Während einerseits fast 17 Prozent der Betriebe mehr als ausgebucht waren - so wie im Vorkrisenjahr 2019 -, klagten noch immer 22 Prozent der Betriebe über eine Auslastung unter 60 Prozent. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 81 Prozent.

Um die Handwerksbetriebe auch langfristig zu unterstützen und mit Blick auf weitere große Herausforderungen wie dem Klimaschutz und der Transformation der Wirtschaft zukunftssicher aufstellen, forderte Reichhold gegenüber dem Ministerpräsidenten, wichtige Vorhaben wie die Fortführung und Erweiterung der Zukunftsinitiative „Handwerk 2025“ auch umzusetzen. Der Koalitionsvertrag sehe das ja auch vor. Reichhold: „Der Finanzierungsvorbehalt, der über zahlreichen geplanten Projekten schwebt, darf kein Hinderungsgrund sein. Gerade weil die wirtschaftliche Lage angespannt ist, darf es eben nicht nur um hartes Sparen gehen. Es muss vielmehr gezielt investiert und gefördert werden, um die Konjunktur weiter anzukurbeln und Betriebe bei der Krisenbewältigung zu unterstützen.“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte: „Das Handwerk steht für beste Qualität und Leistung. Die Handwerkerinnen und Handwerker sind die Stütze unserer mittelständisch geprägten Wirtschaft. Wir setzen auf das Handwerk als innovativer Ideentreiber und verlässlicher Partner bei der Suche nach zukunftsfähigen Lösungen zum Beispiel bei der Daseinsvorsorge, der Nahversorgung oder der Energiewende, aber auch bei der Ausbildung. Ohne Handwerk geht nichts. Es sind schließlich die Handwerkerinnen und Handwerker, die die Solaranlage auf dem Dach installieren, die die Wärmepumpe im Boden vergraben, oder klimafreundlich mit Holz bauen. Deshalb werden wir den 2018 gestarteten Prozess „Zukunftsinitiative 2025“ mit wichtigen Zukunftsthemen weiter entschlossen vorantreiben. Wir wollen junge Menschen früh für das Handwerk begeistern und mehr weibliche Fachkräfte gewinnen. Dafür wollen wir das Handwerk weiter stärken.

Konjunkturbericht 2. Quartal 2021