Betriebsstatistik  28.07.2022

Mehr Handwerksbetriebe denn je

Zum ersten Mal über 140.000 Betriebe: Das Handwerk ist im Land so stark vertreten wie noch nie. Zuwächse im ersten Halbjahr 2022 gab es zum einen bei Gewerken, die von der Pandemie besonders eingeschränkt waren (Konditoreien und Kosmetikstudios), aber auch in Gewerken, die aktuell in Sachen Klimaschutz und Energiesparen besonders gefragt sind: Elektrotechnik-, Installations- und Heizungsbaubetriebe.


„Das Handwerk hat Zukunft, und das gilt auch in Krisen. Die Entwicklung der Betriebszahlen zeigt das“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. „Klimaschutz und Energieeffizienz sind ein großer Markt fürs Handwerk und eine Selbständigkeit in den Klimaberufen entsprechend attraktiv. Ebenfalls erfreulich ist, dass es noch keine krisenbedingte Schließungswelle zu geben scheint. Damit das so bleibt, brauchen die Handwerksbetriebe Planungssicherheit und Unterstützung in Sachen Energieversorgung, soweit möglich“, so Reichhold.

Im Vergleich zum Jahresbeginn gab es rund 8.700 Elektrotechnik-Betriebe, knapp 120 mehr als zu Jahresbeginn. Auch Installations- und Heizungsbaubetriebe legten um gut 40 auf fast 6.700 zu. Ungewöhnlich hohe Zuwächse gab es in Berufen, die von den Eindämmungsmaßnahmen der Corona-Pandemie stark betroffen waren. So standen 585 Konditoreien in den Rollen der Handwerkskammern, 23 mehr als zu Jahresbeginn. Noch nie seit Beginn der Zeitreihe 2010 gab es in einem ersten Halbjahr einen größeren Zuwachs. Bei den Kosmetikstudios stieg der Bestand auf fast 9.800.

Zum Stichtag 30.06.2022 waren insgesamt 140.079 Betriebe bei den Handwerkskammern im Land eingetragen. Somit gab es zum ersten Mal mehr als 140.000 Betriebe im Land. Im Vergleich zum Jahresbeginn gab es 603 Betriebe mehr. Die Zahl der Abgänge lag bei knapp 6.000. Das waren zwar rund 350 mehr als im Vorjahreshalbjahr, dennoch lag die Zahl ungefähr im langjährigen Durchschnitt.

Die Zahl der neuen Betriebe beispielsweise bei Schreinereien, Metallbau und Kraftfahrzeugtechnik ging etwas zurück. Im Vorjahreszeitraum wurden in diesen Berufen überdurchschnittlich viele Betriebe eingetragen, weil beispielsweise Gründungen aus dem Jahr 2020 nachgeholt wurden. Im laufenden Jahr gingen die Eintragungen nun wieder auf ein Normalmaß zurück. Insgesamt wurden rund 6.600 Betriebe eingetragen.

Trotz des statistischen Plus zeige sich, dass die Betriebe aktuell stark verunsichert seien, so Reichhold: „Sie wissen schlicht nicht, was das Jahresende bringt. Nicht erhältliche Vorprodukte, die Unsicherheit über die Verfügbarkeit von Energie, stark steigende Preise und Auftragsrückgänge am Bau senken die Stimmung. Nicht alle Handwerker können die Preise unbegrenzt weitergeben. Das muss auch die Politik im Blick haben und bereits bestehende Unterstützungsprogramm wie die Zukunftsinitiative Handwerk 2025 weiterführen.“

 

Die vollständige Betriebsstatistik des ersten Halbjahrs 2022 finden Sie unter: www.bwht.de/statistik