Berufsbezeichnungen  27.06.2019

Meister nicht abwerten

Heute und morgen beraten Bundestag und Bundesrat das Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (BBiMoG). Darin geht es unter anderem um neue Abschlussbezeichnungen für die drei beruflichen Fortbildungsstufen Geselle, Meister und weitergebildete Meister. Für eine bessere internationale Vergleichbarkeit sollten in Zukunft zusätzlich zum klassischen Berufsabschluss die Bezeichnungen „Geprüfter Berufsspezialist“ für Gesellenabschlüsse, „Bachelor Professional“ für Meisterausbildungen und „Master Professional“ etwa für Betriebswirte des Handwerks genutzt werden dürfen. Die beiden baden-württembergischen Ministerien für Kultus und Wissenschaft wollen diese in langen Beratungsprozessen gefundenen, ergänzenden Begriffe nun durch „Junior Professional“ und „Senior Professional“ ersetzen. Der Baden-Württembergische Handwerkstag lehnt diese Änderung ab.


„Lehrling, Geselle, Meister – diese Aus- und Fortbildungsstufen im Handwerk sind jedem bestens bekannt – zumindest in Deutschland. Damit es international vergleichbarer wird, haben wir uns für die zusätzlichen Bezeichnungen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ ausgesprochen. Für uns als Handwerk war es in den Beratungen immer von zentraler Bedeutung, dass die anerkannte Marke ´Meister´ erhalten bleibt. Die neuen Bezeichnungen bewirken jedoch das Gegenteil. Den Meister als anspruchsvollen Bildungsabschluss mit „Junior Professional“ zu bezeichnen, wertet die Meisterausbildung eindeutig ab“, kritisiert Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold den Vorstoß der Landesregierung.

Auch der Mehrwert einer besseren Vergleichbarkeit beruflicher und akademischer Bildungsabschlüsse wäre hier nicht mehr gegeben, weil die bekannten Begriffe ´Bachelor´ und `Master` wegfallen würden. Im Gegenteil: hier würden neue und in keinster Weise etablierte Bezeichnungen eingeführt, die zu einer weiteren Unübersichtlichkeit von Berufsbezeichnungen führen und Verwirrung stiften würden. „Von den falschen Vorstellungen, die diese Bezeichnungen bei den Kunden hervorrufen, wollen wir erst gar nicht reden. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie von ihren Planungen, ´Junior/Senior Professionals´ einzuführen, Abstand nimmt und dies auch im Bundesrat so durchsetzt. Wir lehnen diese Begriffe kategorisch ab“, so Reichhold.