Handwerkskonjunktur  14.07.2022

Verunsicherter Blick in den Herbst

„Überwiegend gut“ – so beurteilte die Mehrheit der Handwerksbetriebe ihre wirtschaftliche Lage auch noch im vergangenen zweiten Quartal. Der Wegfall der Corona-Beschränkungen hat bei vielen für eine bessere Stimmung und zu mehr Umsätzen geführt. Aber: Die Sorgen mit Blick auf den Herbst werden täglich größer. Besonders die Frage nach der Verfügbarkeit von Energie sorgt für viel Verunsicherung, so die Ergebnisse der Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT).


„Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Lage der meisten Handwerksbetriebe verbessert. Sorgen macht, dass Auftragseingänge teils deutlich zurückgehen. Eigentlich ist das Handwerk leistungsbereiter denn je, aber Materialmangel, stark steigende Preise und höhere Zinsen scheinen Auftraggeber zunehmend abzuschrecken. In Kombination mit der Energiekrise lässt das Böses ahnen. Die Politik darf hier die Betriebe nicht allein lassen, wir wollen Pläne für eine solche Krise sehen und brauchen mehr Kommunikation und Transparenz über diese Pläne. Der Wegfall von Arbeitsplätzen oder gar die Schließung von Betrieben, weil Material fehlt oder nicht mehr genügend Gas in der Produktion ankommt, kann niemand wollen“, so BWHT-Hauptgeschäftsführer Peter Haas.

Im zweiten Quartal 2022 bekamen nur noch 36 Prozent der Betriebe mehr Aufträge (2021: 43), 17 Prozent weniger (2021: 12). Im Bauhauptgewerbe bekam jeder fünfte Betrieb weniger Aufträge, vor einem Jahr knapp jeder elfte.

Der Preisdruck nahm weiter zu: 91 Prozent der Betriebe beklagten gestiegene Einkaufspreise. In allen sieben Handwerksbereichen war der Anteil ähnlich hoch. Demgegenüber erhöhten nur 61 Prozent der Betriebe ihre Verkaufspreise: Das zeigt: Nicht jeder Betrieb kann die gestiegenen Kosten auch weitergeben.

In den Herbst gehen die Betriebe mit großer Zurückhaltung. Nur noch 15 Prozent erwarten Verbesserungen für das dritte Quartal, alle Handwerksgruppen sind im Vergleich zum Vorjahr pessimistischer geworden. Die Sorge um die weitere Verfügbarkeit von Energie drückt besonders auf die Stimmung.

Beim Blick zurück ins abgeschlossene zweite Quartal zeigt sich noch eine überwiegend positive und bessere Lageeinschätzung als vor einem Jahr: Knapp zwei Drittel der Betriebe (65%) bewerteten ihre Lage als gut, nur 9 Prozent als schlecht. Vor einem Jahr standen 61 Prozent „gut“-Beurteilungen 13 Prozent „schlecht“-Beurteilungen gegenüber. Vor allem die Dienstleistungsbetriebe (Friseure) und die Gesundheitsbetriebe haben wegen der Corona-Lockerungen ein deutlich besseres zweites Quartal hinter sich als vor einem Jahr. Auch die Umsatzentwicklung war noch ordentlich: So standen 42 Prozent Betrieben mit gestiegenen Umsätzen nur elf Prozent Betriebe mit gesunkenen Umsätzen gegenüber.